#18: Beschreibe, wie du diese Dinge gebrochen hast: ein Herz, einen Knochen, ein Gesetz, ein Versprechen.

#17: Schreib über etwas, das du nicht gerne tust.

Ich mag es nicht, Horrorfilme zu schauen oder blutige Geschichten zu lesen. Wenn ich die DVDs aus dem Supermarkt nur von Weitem sehe; wenn ich ein Buchl in der Hand halte, das Blutstropfen auf dem Cover hat; wenn ich den Trailer eines Horrorfilms sehe – da läuft es mir eiskalt den Rücken runter, ich spüre, wie in meinem Bruskorb ein Knoten zu Fußballgröße anwächst. Ich entferne mich und den betreffenden Gegenstand dann möglichst weit weg voneinander – und schaue Dinge, die mich in gute Stimmung versetzen, die eine lebensbejahende Botschaft haben, und – vor allem – von denen ich mir sicher sein kann, dass ich mich ihretwegen nicht schämen, ängstigen oder fürchten muss.

Ich habe einmal einen Horrorfilm gesehen, der in der Londoner U-Bahn gespielt hat. Irgendein Killer war da unterwegs und hat arme Frauen getötet. Natürlich war der Anfang des Films wesentlich spannender als sein Ende – das war wieder sehr an den Haaren herbeigezogen und gekünstelt, in meinen Augen (der Killer hatte ein unterirdisches Labor).

Was mich den ganzen Film über gestört hat, war, dass ich mich permanent in Hab-Acht-Stellung begeben musste, weil ich ja damit rechnen musste, mich jede Sekunde zu erschrecken. Meine Argumentation gegen Horrorfilme ist deswegen diese: Wenn ich weiß, dass ich mich fürchten werde; und wenn ich weiß, dass Furcht oder Angst ein Gefühle sind, die ich gerne vermeiden möchte bzw. bei denen ich mich nicht gut fühle, wenn ich mich fühle – dann kann ich es doch gleich sein lassen, solche Filme und Bücher zu konsumieren. Denn ich möchte keine Angst spüren, wenn es nicht sein muss.

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Dieser Post ist Teil des Projekts “30diasdeescribirme” von Aniko Villalba.

#16 Beschreibe das Klima in einer von dir erdachten Welt.

Der Kalender dieser Welt zählt drei Mondjahre. Jedes dieser Mondjahre hat ein anderes Klima, da jeder der drei Monde, die den Planeten dieser Welt umkreisen, eine andere Auswirkung auf die Atmosphäre hat. Im ersten Mondjahr, dem Grünjahr , saugt die grün leuchtende Atmosphäre von Mond Vertes das Wasser der Ozeane an und lässt es in der Luft kondensieren. So leben die Bewohner von Schiertes im ersten Mondjahr in einem tropischen Klima, das ihnen den Anbau von nahrhaften und süßen Obstsorten erlaubt – besonders beliebt sind Weinstöcke, die so hoch werden wie Häuser, und an denen fußballgroße Weintrauben hängen. Dieses Mondjahr dient auch der Kondensierung für Wasser aus der Luft (aufgrund von chemischen Prozessen sind die Regenfälle und die Flüße in dieser Zeit toxisch), die für das täglich Überleben und vor allem für das zweite Mondjahr gebraucht werden.
Im zweiten Mondjahr erscheint der Kaltmond am Nachthimmel. Die Atmosphäre des Kaltmondes – sein überlieferter Name ist Fri-U – begünstigt den Ausbruch von Vulkanen auf Schiertes. Pro Kaltjahr werden etwa sieben Vulkane auf Schiertes aktiv. Asche sammelt sich in der Luft, tagsüber wird die Sonne verdeckt. So wird es nach der fruchtbaren Zeit des Grünmondes kalt auf Schiertes und die Bewohner leben von den im Grünmond angesammelten Früchten. Die Temperaturen fallen im Schnitt um 20 Grad, jedoch nie unter Null. Während des Kaltmondes regnet es auch ab und zu. In diesem Fall ist der Regen sogar ein Segen, denn der technische Fortschritt auf Schiertes ist so weit, dass die Mineralien aus dem Ascheregen extrahiert werden können. Sie dient während der anderen beiden Mondphasen als Dünger für die Felder. Eine neueste technische Entwicklung ist eine Beleuchtung der Felder während Kaltmond, sodass auch während dieser Mondphase Pflanzen gezogen werden können. Sie ist jedoch noch nicht völlig ausgereift, und immer noch verätzen sich Laboranten die Haut bei den Versuchen. Offenbar reagiert auch die Asche in der Luft chemisch mit künstlichem Licht.
Das dritte Mondjahr schließlich nennen die Bewohner von Schiertes Lichtjahr. Während der Zweihundertfünfundsechzig Tage, die dieses Jahr dauert, wächst Mond Grandera beständig am Nachthimmel, so lange, bis er zur Hälfte des Jahres auch tagsüber komplett am Himmel zu sehen ist und das Licht der drei Sonnen, um die Schiertes oszilliert, so hell spiegelt, dass es heller wird als im Grünmond und natürlich noch heller als im Kaltjahr. Die Helligkeit hat viele gute Auswirkungen auf die Bewohner von Schiertes: Sie vertreibt Depression, lässt die Lichtfrüchte wachsen und säubert die Luft von den Aschepartikeln und den letzten toxischen Luftmolekülen aus Grün- und Kaltmond. Nachts regnet es während Lichtmond, wenn die Temperatur sinkt. Tagsüber genießen die Schierter 20 bis 25 Grad und eine angenehme Brise.

 

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Dieser Post ist Teil des Projektes #30diasdeescribirme. Ihr findet die Prompts auf https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/

#15: Schreibe über einen Hund, der Teil des Lebens ist/war (und lerne, dich in Form von Bildern zu erinnern)

Ich bin in Ks Zimmer und streichele die Schnauze ihrer Hündin A. Das Zimmer ist abgedunkelt und kühl. Von draußen klingen die Geräusche der Straße und von ein paar Amseln aus dem Garten hinein. As Schnauze ist grau geworden. Ich habe sie kennen gelernt als, sie noch eine junge Hündin war. Die Freundschaft mit K hatte oft daraus bestanden, mit A über die Felder außerhalb unseres Dorfes spazieren zu gehen. Jetzt, wo ich ihre Schnauze streichele, spüre ich, wie die Zeit vergangen ist. Ich besuche K, um sie mal wieder zu sehen und zu erfahren, was sie macht. Ich bin Anfang zwanzig und K sitzt neben mir. Es ist niemand da bei K zu Hause. Hier im Zimmer riecht es wie früher auch schon immer ein bisschen nach Hund und nach frischgewaschener Kleidung. Wir trinken Tee.

#12: Suche dir einen Gegenstand aus deiner Wohnung aus. Beschreibe seine Geschichte.

Es ist schön, diese Übungen zu machen. Noch schöner, auch mal zu pausieren. Deshalb folgt Tag 12 heute, zwei Tage nach Tag 13, die Geschicht eines Gegenstandes in meiner Wohnung.


 

20170531_RegalgeschichteDie goldene Färbung deines Holzes verrät nicht dein Altern. Du stehst zwischen Bruder Tisch und Schwester Schrank, beladen mit Büchern und Zetteln. Du kamst in mein Leben, als ich gerade neu in der Stadt eingezogen war und noch nach einem geeigneten Platz für meine Bücher suchte. Deine große Schwester, die dir schräg gegenüber an der anderen Wand steht, war bereits da, als du ankamst. Ich fand dich auf den Ebay-Kleinanzeigen. Ich fuhr bis den Süden der Stadt mit der Straßenbahn, um dich abzuholen. Du bist gut einen halben Meter lang und etwas weniger hoch. Du bestehte aus vier Brettern, die hochkant stehenden sind nach oben hin abgerundet.

Zunächst stellte ich dich in die hinterste Ecke auf den Fußboden, dort staubten alle Bücher auf dir ein und ich versuchte, dir im Bad Platz zu erschaffen. Doch da brauchtest du zu viel Platz und ich beschloss wieder, dass dies nicht der geeignete Ort für dich war.

In der Zwischenzeit beschäftigte ich mich viel mit Meditation, Religion und vor allem: meinen eigenen Gedanken. Ich stelle das Zimmer um, wie es sich in meinem Leben bisher als zuverlässigen Indikator des inneren Wandels bewiesen hatte, und so hast auch du wieder den Platz gewechselt. Du standest dann nämlich für eine ganze Weile im Eingangsbereich der Wohnung. Ich trug dir auf, meine wertvollsten Bücher zu tragen, und fand es hinreißend, in die Wohnung zu kommen und das vollgestellte Bücherregal zu sehen. Bald sortierte ich auch die Bücher neu (nach Art – Sachbuch, Roman, und Thema); was meine Zufriedenheit jeweils erhöhte.

Bis der nächste Wind des Wandels anstand und ich zwei weitere Möbelstücke ins Haus bekam – einen noch größeren Bruder deinerseits, aus dunklem Holz, und einen großen weißen Schuhschrank, der heute deinen Platz im Eingang einnimmt.

Du stehst seither auf dem Schreibtisch und trägst weiterhin Bücher. Da stehen weiterhin ein paar weniger, dafür sind Locher, Zettelhalter und Unterlagenkartons hinzugekommen. So sehe ich dich heute jeden Tag.

 

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Alle Prompts sind zu finden unter https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/

# 14: Beschreibe ein Ereignis deines Lebens von hinten nach vorne

Der heutige Prompt ist etwas kürzer. Vielleicht umso effektvoller.


Daniel und ich stehen im Wohnzimmer der Ferienwohnung, tropfnass alle beide. Wir überqueren die Terrasse und gehen zurück zum Swimmingpool. Die das Wasser auf unserer Haut vermehrt sich. Beim Pool angekommen, steigen wir über die Treppenstufen am unteren Ende ins Wasser. Ich nehme ihn in meine Arme. Ich schwimme mit ihm bis zur linken Ecke des Beckens, er beginnt zu prusten und zu paddeln. Ich klettere über den Beckenrand aus dem Wasser und sehe ihn, wie er da paddelt. Ich gehe um den Pool herum und beobachte ihn von dieser Seite aus. Ich wende mich dem Grill der Ferienwohnung zu, und hören einen Ruf und ein platschen. Ich drehe mich nochmal zum Pool und sehe, wie Daniel dort mit seinem Plastikbagger spielt.

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/FreeGreatPicture.com-30424-swimming-pool.jpg

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Der Prompt ist zu finden unter https://www.escribir.me/dia-14-escribi-un-evento-de-atras-para-adelante/

Bildquelle: Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/FreeGreatPicture.com-30424-swimming-pool.jpg

#13: Schreibe einen Brief an ein Ich aus der Vergangenheit

Es wird wirklich persönlich. Während der letzten eineinhalb Wochen habe ich aus den verschiedensten Ecken und Ende gehört, dass Menschen meinen Blog lesen. So ist das mit den Internet-Dingen. Wir denken intuitiv, dass die Dinge, die wir im Internet tun, erst einmal nichts mit dem “Ich” des Analoglebens zu tun haben. Wer den Schritt geht, intime Gedanken zu veröffentlichen auf einer eigenen Website, die rechtsgemäß ein Impressum besitzt, der verliert diese Schutzschicht. Das macht ein bisschen Angst – und richtig fühlt es sich dennoch an. Andere Autoren und Bloggern, die ich für authentisch halte (wie etwa Aniko Villalba, oder Hernán Casciari), haben gemeinsam, dass sie mir immer dann besonders gut gefallen, wenn sie persönlich werden. Und auch der mexikanische Schriftsteller, den ich deswegen befragte, bestätigte dies mir: Ja, Laura, antwortete er auf meine Frage, ob man denn sehr persönlich sein müsse, wenn man Schrifsteller werden möchte, ja, man muss wirklich wirklich SEHR persönlich sein.

Also, ich habe euch gewarnt. Hier der Text.


Liebe Zwölfjährige Laura,

Du bist eine ganz schön coole Socke. Ich mag es, wie du deinen eigenen Weg gehst und wie du neugierig bist auf die Welt. Ich mag es, wie du in die Natur gehst und dort mit dir selbst spielst – wie du dich von der Umgebung inspirieren lässt und wie du so ganz versunken deinen Gedanken nachgehst. Ich mag es, wie du auf Bäume kletterst und wie du Stunden im Wasser verbringst, am liebsten tauchend, im Swimming-Pool der Ferienwohnung oder im Freibad. Ich mag, wie du in die Welt hinausstürmst und dich von ihr beschenken lässt. Ich mag die Kleider, die du aussuchst – knallbunt und bequem.

Ein paar Sachen mag ich auch nicht an dir. Ich mag nicht, wie du manchmal mit deinen Freundinnen umgehst. Wie du dich manchmal so sehr in deine Gedankenwelt vertiefst, dass du eine Verabredung verpasst und dass du manchmal froh bist, wenn du wieder alleine bist – sie sind deine Freundinnen und du solltest froh sein, sie zu haben.

Ich weiß aber auch, dass du keine Lust hast, dich zu verstellen und dass du manchmal immer noch Angst hast, unter fremde Leute zu gehen und dich unter ihnen zurechtzufinden. Doch da möchte ich dich ermutigen – trau‘ dir etwas zu! Nimm dir zu Herzen, dass du anderen wichtig bist und dass jeder Schritt auf fremde Leute zu, ein Schritt hin zum Leben hin ist, nach dem du dich so sehr sehnst. Ich weiß, dass du das Leben am liebsten in deiner Traumwelt leben würdest, aber ich, als dein 28-jähriges Ich, sage dir, dass du so nicht glücklich wirst. Deine geistigen und emotionalen Fähigkeiten werden genauso wachsen wie deine geistigen und emotionalen Bedürfnisse. Du wirst weiterhin die Menschen mit deiner Kreativität, deiner Auffassungsgabe und deinem Dickkopf beeindrucken. Du wirst aber auch ihre Gemeinschaft vermissen, wenn du drei Stunden zu lange mit Träumen verbracht hast und die ersten Mädchen deiner Klasse mit Jungs gehen werden. Du wirst die Menschen vermissen, wenn du während der Abi-Zeit Angst hast, auf Partys zu gehen und dich immer noch hinter deiner Schüchternheit versteckst. Du kannst deine Schüchternheit nicht loswerden, indem du zu Hause bleibst.

Dass du in ein paar Jahren zur Theater-AG gehen wirst, das ist super. Dass du zur Zeit noch am liebsten draußen Ball spielst oder Fahrrad fährst, tut dir auch gut. Aber vergiss in deiner Wildheit nicht deine sanfte, verletzliche Seite. Lerne es besser jetzt als später, dass keiner Perfektion lieben, sondern sie immer nur bewundern kann. Ich weiß, dass du weißt, dass deine Intelligenz und Kreativität dir ein paar Bewunderer einbringen – aber warum zeigst du deinen Freunden oder deiner Familie nicht auch deine Ängste? Glaub mir – Nähe entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Verletzlichkeit. Ich weiß, du möchtest das nicht hören. Du möchtest weiter nach vorne rasen und die Welt verschlingen. Ich weiß aber auch, dass du in den nächsten Jahren spüren wirst, dass die Welt nicht immer nach deiner Pfeife tanzt und dass du mit dieser Einbildung auf die Nase fallen wirst. Deswegen: Liebe zwölfjährige Laura, sei ein bisschen netter zu dir selbst. Bitte Mitschüler um Hilfe, die du arrogant findest. Trau dich zuzugeben, dass du auch Deutsch und Rechtschreibung nicht perfekt kannst. Sei offen mit deinen Gefühlen und gönne anderen ihren Erfolg. Du wirst zunächst denken, du verlierst etwas – aber ich weiß, meine Liebe, dass nur diejenigen etwas gewinnen, die sich nicht zu schade sind, zu geben.

Von Herzen,

Deine 28-jährige Laura.

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(Dieser Beitrag ist Teil des Projekts “30 días de escribirme” – 30 Tage an mich selbst schreiben. Alle Prompts findet ihr hier: https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/ )

#11 Ich erinnere mich…

Bild_Garten_HuehnlesgasseIch erinnere mich an den Weg zum Kindergarten, wie ich im Wengele Blumen pflückte, das heutzutage schon ein für Autos ausgebauter Weg ist.

Ich erinnere mich wie ich auch aus fremder Leute Garten Blumen gepflückt habe und es schön fand, den Sträußen, die entstanden, ein bestimmtes Thema zu geben.

Ich erinnere mich, wie ich mich mit Anfang 20 wieder an diese Eigenschaft erinnerte und wie ich wieder mit Freude begann, auf der Straße Blumen zu pflücken: Löwenzahn, Gänseblümchen, Hahnenfuß…

Ich erinnere mich, wie wir im Kindergarten übernachtet haben und alle Kinder eine kleine Wasserspritze in Form eines Gummitieres geschenkt bekommen haben, und wie ich die Form eines Affens bekam, mit der Begründung meiner Kindergärtnerin Pam „Weil Laura ja selbst manchmal ein kleines Äffle ist“ und wie ich kein Äffle sein wollte und wie ich das Äffchen gegen ein Seepferdchen getauscht habe.

Ich erinnere mich wie ich mit meiner Kindergartenfreundin Lola Barbiepuppen gespielt habe  – Arielle die Meerjungfrau – Frechdachs, der Meerjunge. Ich erinnere mich, wie ich immer Frechdachs spielen sollte und wie ich das albern fand.

Ich erinnere mich wie ich während der Zeit, als ich die Kurs-in-Wundern-Übungen zum ersten Mal machte an diese Episode dachte und meine gesamte sexuelle Orientierung in Frage stellte.

Ich erinnere mich, wie ich dieses in-Frage-Stellen mit einem einfachen Gedankenprotokoll aufheben konnte.

Ich erinnere mich, wie ich bei dieser Freundin Lola immer gerne mit den Plastiksteckperlen Muster legen wollte, und nicht draußen mit den anderen herumtoben.

Ich erinnere mich, dass ich auch draußen herumtobte, aber dass, wenn man mir die Wahl ließ, ich immer die Steckperlen gewählt hätte.

Ich erinnere mich, dass diese Kindergarten- und Grundschulfreundschaft zu Lola sich ab dem Gymnasium in Luft aufzulösen begann.

Ich erinnere mich, dass gegen Ende des Gymnasiums ich die meiste Zeit mit Jana und Jolanda verbrachte, dass wir viel Auto fuhren und dass die Zeit im Nachhinein ziemlich magisch war.

Ich erinnere mich, dass die Abizeit eine Zeit des Lernens und des Vorwärtskommens war.

Ich erinnere mich, dass die Abizeit sich anfühlte wie ein dichter Sog, dem ich mich freudig hingab.

Ich erinnere mich an die Schaukel im Garten meiner Eltern und wie ich mit meinem Klassenkameraden aus der Grundschule (heute würde ich sagen: Freund) auf dieser Schaukel saß und wir uns wunderbar darüber unterhalten konnten, wie wir beide die Angewohnheit hatten, immer sehr schnell zu reden, wenn wir aufgeregt waren.

Ich erinnere mich, dass dieser Jung erst im dritten oder vierten Schuljahr zu uns kam und dass er aus Sachsen kam und dass wir uns alle über ihn lustig machten wegen seines Namens – Robby Werktag – und wegen seines säschsischen Akzentes natürlich.

Ich erinnere mich daran, wie wir in der Mittagschule im Fach „Textiles Werken“ stickten und strickten und häkelten und wie dazu Lieder sangen. Ich erinnere mich, dass ich mich damals zum letzten Mal so aufgehoben gefühlt habe in der Schule – so, als könnte ich wirklich etwas erreichen und als gehörte ich genau dorthin, wo ich war.

Ich erinnere mich, wie große der Schock war, als ich aufs Gymnasium kam und wie plötzlich ganz andere Dinge wichtig waren statt Kreativität und Lebensfreude – cool sein, ein Handy haben, eine gewisse Fernsehsendung schauen, die richtigen Klamotten tragen, die richtige Rucksackmarke besitzen, auf die richtigen Partys eingeladen sein.

Ich erinnere mich, dass ich einmal in mein Tagebuch schrieb: „Ich habe das Leben verlernt.“

Ich erinnere mich, dass ich ab der fünften oder sechsten Klasse nicht mehr so frei und ausgiebig schreiben konnte wie in den Aufsätzen der Grundschulzeit.

Ich erinnere mich, dass ich irgendwann eine tiefe Dankbarkeit meiner Grundschullehrerin Frau Mirkol in der dritten und vierten Klasse verspürte, weil sie uns so viel Raum gelassen hat, kreativ zu sein.

Ich erinnere mich, dass ich bis geraden eben nicht gespürt habe, dass mein Arm wehtut.

Ich erinnere mich, dass ich in der sechsten Klasse erst einen anonymen Liebesbrief, dann einen anonymen Drohbrief erhalten habe.

Ich erinnere mich, dass ich aber fünften und sechsten Klasse ich mich mit Maria anfreundete, deren Mutter Heilpraktikerin war und dass wir uns gut austauschen konnten.

Ich erinnere mich, dass ich eines Mittags zu ihr nach Hause kam – ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei ihr zu Hause, die Wohnung war voller bunter Bilder und interessanter Gegenstände – und ihr Vater kleine Pizzabrote gemacht hatte, und ich eines davon probierte und noch nie in meinem Leben so etwas Scharfes gegessen hatte – die Tränen schossen mir aus den Augen und ich wusste gar nicht, was mit meiner Mundhöhle geschah.

Ich erinnere mich, wie wir auf dem Probenwochenende des Posaunenchors mit den Sitzkissen in den Aufenthaltsräumen Labyrinthe bauten und die Jungs kamen und sie kaputtmachten.

Ich erinnere mich, wie ich auf diesen Freizeiten immer Tischtennis spielen wollte und wie ich immer besser wurde.

Ich erinnere mich, dass ich, als ich beim Vereinstraining des lokalen Tischtennisvereins kam, so viel Scham spürte und Desinteresse, dass ich einmal und dann nie wieder hinging.

Ich erinnere mich, dass ich oft ein sehr in sich gekehrtes Mädchen war.

Ich erinnere mich, dass ich manchmal, als ich schon mein Zimmer im Keller bezogen hatte, im Frühling noch abends durchs Fenster hinausstieg und mich unter die blühenden Obstbäume setzte, ihren Duft einsog und den Mond beobachtete.

Ich erinnere mich, wie ich immer nie die Hausaufgaben machte, und gegen Abend das schlechte Gewissen immer größer wurde, und ich versuchte, noch im Bett etwas zu schreiben und dabei einschlief.

 


Dieser Post ist Teil einer Reihe von Artikeln zu den Prompts, die die argentinische Reise-Bloggerin Aniko Villalba hier veröffentlicht.

#10: Endlich! Die Creme gegen Muskelverspannungen + mehr!

Die Aufgabe für heute ist es, ein Produkt zu bewerben, von dem wir uns wünschen, es existierte – da eine Spülmaschine und ein automatischer Staubsauger bereits existieren und ich mir lediglich wünsche, sie würden dies in meiner Wohnung tun, beschreibe ich hier ein Mittelchen, von dem ich mir erhoffe, dass ich meine hartnäckig verspannte rechte Schultern ein bisschen entspannen könnte…

Prompts unter: https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/


Bald in Tubenform?

Bald in Tubenform?

 

Sie ist ganz neu auf dem Markt und sie lindert alles Ihre Schmerzen: Die neue „All-Sane“-Körpercreme! Die neue „All-Sane“-Körpercreme trägt sich sanft und geschmeidig auf uns lässt innerhalb von zehn Minuten alle Ihre Muskelverspannungen verschwinden. Durch ihre musculo-aktiven Wirkstoffe lockert sie sanft alle angespannten Muskeln und dehnt sie zugleich. Sie ist zu hundertprozent vegan und es gibt sie in drei verschiedenen Duft-Richtungen – Lavendel, Minze und Rosenblätter. Kein stundenlanges Verharren in Yoga-Positionen mehr, kein Warten, bis das Wärmekissen in der Mikrowelle aufgewärmt ist, keine Gänge zum Physiotherapeuten, die Sie wertvolle Zeit kosten, die Sie doch viel lieber mit den schönen Dingen  des Lebens verbringen würden – alle das bietet in die „All-Sane“-Creme.

Die „All-Sane“-Creme kommt in der Einzelpackung und kostet Sie nur 15,00 Euro die Tube. Schon bereits eine dünne Schicht, die Sie sanft mit den Finger in die betroffenen Körperstellen einreiben, genügt, um Sie von Schmerzen und Blockaden zu befreien.

„Alle-Sane“-Creme wirkt nicht nur oberflächlich, sondern dringt – ähnlich wie Yoga-Übungen – bis in die Tiefe Ihrer Köperfasern hindurch und lockert dort alles, was angespannt ist.

Und das Beste an unserer „All-Sane“-Körpercreme ist: Sie können Sie selbst verbessern und an Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Stellen Sie sie dazu einfach für eine angezeigt Zeit in den Kühlschrank – je tiefer Ihr Schmerz sitzt, desto länger lassen Sie die Creme im Kühlschrank stehen. Die Substanz verdichtet sich in der Kälte und ermöglicht so eine konzentriertere Anwendung.

Und wenn Ihnen unsere „All-Sane“-Körpercreme gegen Muskelverspannungen gefallen hat, dann zögern Sie nicht, weitere Produkte aus unserem Sortiment auszuprobieren: Wir haben im Angebot: Cremes gegen Kopfschmerzen, gegen Muskelkater, gegen Müdigkeit, gegen Kälte, gegen Konditionsschwäche und sogar – und das ist unser absolute Geheimtipp – Cremes gegen sexuelle Lustlosigkeit.

Alle unsere Cremes sind auf biologischer Basis und vegan hergestellt. Bitte beachten Sie, dass es aufgrund der hohen Nachfrage ab und zu zu Lieferengpässen kommen kann.

#9 – Beschreibe den Tag, an dem du zum ersten Mal eine Person gesehen hast, in die du dich verliebt hast.

Mal wieder eine Geschichte aus dem Nähkästchen. Ich habe die Namen der auftretenden Personen verfälscht, aber sich selbst werden sie sich wahrscheinlich gut erkenne.

Es tut unglaublich gut, solche alten Geschichten aufzuschreiben. Gerade wenn eine Liebesgeschichte nicht schön zu Ende ging, und du selbst immer noch ein wenig trauerst, dann gibt dir das darüber Schreiben ein Stückchen Wirkungskraft zurück – du entscheidest, welcher Teil der Geschichte aufgeschrieben wird, und wer nicht.

Habt alle einen schönen Tag.

Prompt von: https://www.escribir.me/dia-9-escribi-acerca-de-la-primera-vez-que-viste-a-una-persona-de-la-que-te-enamoraste/


Es war Frühjahr und das Frühjahr war voller Energie. Es war die Zeit in der ich zwischen den Übungen des Buches „Der Weg des Künstlers“ und „Ein Kurs in Wundern“ mich befand – wahrscheinlich hatte ich gerade den „Kurs“ angefangen und war noch mental angeheitert von der Freiheit, die ich durch den „Weg des Künstlers“ freigesetzt hatte. Ich traf mich viel mit Dana im Park, ging mit Ariel spazieren und genoss jede freie Minute draußen.

Ariel erzählte mir an einem Tag, dass er abends eine Latino-Party im „Pai Nosso“ besuchen würde und fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Ich stimmte zu.

Ich weiß nicht mehr, welche Kleidung ich an dem Abend abzog. Wahrscheinlich einen kurzen Jeansrock und irgendein T-Shirt. Ich traf mich mit Ariel und seinen Klassenkameraden von der Sprachschule inklusive Deutschlehrerin im Lokal. Die Musik machte gute Laune und es war sehr heiß. Ich tanzte ein bisschen mit Ariel und auch alleine. Als wir beim Hinausgehen noch auf einen Bekannten von Ariel trafen, verabschiedete ich mich für einen Moment auf die Toilette.

Als ich wiederkam, stand Ariel immer noch mit diesem Bekannten zusammen. Es war Fernando. Er trug ein blau-rot-kariertes Hemd und eine Bierflasche in der Hand, besonders auffällig war die Kette mit einem silbernen, kreisförmigen Anhänger, die aus dem Hemdkragen lugte. Ich sollte sie später noch oft sehen, oft auch auf seiner nackten Haut. Innerhalb des Kreise war eine Replik des mexikanischen Kriegsgottes eingelassen, weshalb – und wegen seines aufstobenden Temperatments – ich ihm irgendwann den Spitznamen „Guerrero“ – „Krieger“ geben würde.

Ariel stellte uns vor und wir begrüßten uns, in dem ich ihn kurz freundschaftlich umarmte, und er seine Bierflasche zum Gruß hob.

Er sagte, er sei Mexikaner.

Ich schaute ihn groß an. Meine Erinnerungen an das innere und äußere Chaos, das ich ein Jahr zuvor in Mexiko erlebt hatte, wurden plötzlich wieder was. Ich reagierte spaßhaft verzweifelt auf diese Neuigkeit. „Oh Gott, ein Mexikaner!“, rief ich theatralisch. „Yo soy alemana y la alemana se enoja.“

Ich sagte das, weil ich in Mexiko oft verzweifelt und ruhelos gewesen war, und viele der Menschen, die mich damals umgaben, diesen Zustand als „enojada“ – „beleidigt“ wahrgenommen wurde.

Fernando lachte darauf los. Er sei gerade dabei, sich von so einer scheiden zu lassen, ließ er mich wissen. Wir umgarnten uns in diesem Theaterspiel, der eher ernste Ariel stand irgendwann nur noch stumm daneben. Am Ende dieser überschwänglichen Begegnung stand eine Verabredung in Halle am folgenden Tag, um gemeinsam einen gesellschaftspolitischen Film anzusehen. Fernando würde da für das Radio hingehen,  und ich selbst hatte große Lust, mit Menschen in Kontakt zu sein, die Radio machten.

Kino_Halle_Zazie