[Entlange des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen] 3. September

Frieden ist wirklich eine Wahl und eine Entscheidung, obwohl diese in unserer heutigen Gesellschaft trotz aller Rhetorik über den Begriff nicht populär sind. Die Entscheidung, die scheinbaren Ungerechtigkeiten des Lebens zu übersehen, anstatt auf sie zu reagieren, beruht auf Wahl.

 

Hawkins sagt uns hier tatsächlich, dass wir Ungerechtigkeiten übersehen sollen. Und er sagt sogar auch noch, dass diese Ungerechtigkeiten, die wir in der Welt sehen, tatsächlich nur scheinbar ungerecht sind. Kurz, er sagt, es gibt keine Ungerechtigkeit auf der Welt. Da muss ich gedanklich ersteinmal schlucken. Aber wenn ich den Gedanken weiterführe, dann scheint er mir plötzlich beruhigend und noch viel mehr: Er erscheint mir befreiend. Wenn es keine Ungerechtigkeiten auf dieser Welt gibt, worüber muss ich mich dann noch aufregen? Und in was für einem Geisteszustand befinde  ich mich, wenn ich micht nicht aufrege? Ich bin friedlich, begegne  allem, was geschieht, mit einem offenen Herzen und höre auf, irgendetwas verbessern zu wollen.

 

Dieser letzte Punkt scheint mir zentral. Er ist mir bei zwei US-amerikanischen Persönlichkeiten – den Schöpfer der “Gewalfreien Kommunikation”, Marshall B. Rosenberg, und die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert –  in diesem Jahr schon begegnet, und ich merke auch, dass diese Haltung in meiner Beziehung zu meinem Partner oft zentral für ein schönes, oder zumindest für beide Seiten bisweilen erträgliches ;), Zusammenleben ist. Es geht darum, den anderen oder irgendeine Situation nicht verbessern zu wollen. Davon auszugehen, dass der andere und die Situation, wie sie ist, schon ok ist, wie sie ist. Rosenberg beschreibt dieses Phänomen in seinem

“Nonviolent Communication Training Course” (einem 9-stündigen Einführungsvideo zur GFK) so: Wir müssen uns davor hüten, eine Situation oder eine Person “retten” zu wollen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Es gibt eine Energie, sagt er, die diese Heilung vollbringt. Diese Energie ist ständig da, und wir müssen sie einfach nur machen lassen. Elizabeth Gilbert, die vielen vor allem als Autorin des Beststellers “Eat Pray Love” bekannt ist (ich empfehle den gleichnamigen Film nicht, ohne vorher das Buch gelesen zu haben), schreibt in “Big Magic” (das ich durchaus empfehle ;)), dass wir als kreative Menschen – und gerade als Schriftsteller – nicht glauben sollen, dass wir mit unserem Schaffen irgendjemanden retten oder auch nur helfen können. De facto, sagt sie, sei das die völlig falsche Strategie. Ich stimme dem zu und sage: Das ist die falsche Strategie, weil sie auf Mangel-Denken beruht. Ich projiziere das Ungenügen, das sich bei meinem Blick in mein eigenes Innere auftut, nach außen und meine plötzlich, das Außen sei hilfsbedürftig und krank. Der daraus entstehende Aktionismus, der sich meiner Meinung auch bei aggressiven Tierschützern, Missionaren oder sonstigen “Welt-Rettern” beobachten lässt, versprüht dann genau diesen Geist, aus dem er geboren wurde: Mangel-Denken. Wer fühlt sich schon inspiriert und lebendig bei einer Person, die ständig dabei ist, die Welt zu retten?

Hawkins sagt hier also, dass auch gut gemeinte Welt-Verbesserung das Gegenteil dessen bewirken kann, das sie verursachen soll, wenn sie nicht aus dem Geist der Fülle und dem Beitragen-Wollens heraus vollbracht wird. Ich muss mich zuerst dafür entscheiden, Frieden zu sehen. Dann kann ich handeln. (siehe auch Lektion 34 in “Ein Kurs in Wundern”)

 

 

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Quellenangaben:

Foundation for Inner Peace: “A Course in Miracles”, Foundation for Inner Peace, Mill Valley (2007[1976]).

Gilbert, Elizabeth: “Eat Pray Love”, Penguien-Group, New York (2006).

Gilbert, Elizabeth: “Big Magic”, Riverhead Books, New York (2015).

Murphy, Ryan (2010): “Eat Pray Love”, 140 min.

Rosenberg, Marshall B. + Center for Non-Violent Communication: “Nonviolent Communication Training Course”. Online-Ressource: https://www.youtube.com/watch?v=O4tUVqsjQ2I.

 

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