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Übers Schreiben

Dies soll ja nun ein Blog übers Schreiben und zum Schreiben sein. Ja, alle Blogs sind so, ja, das Wort Blog impliziert/beinhaltet ja offensichtlich die menschliche Kulturtechnik des Schreibens. Ich trete diese Tatsache jetzt mal breit.

Schreiben lässt sich viel. Vor allem lässt sich im Deutschen das Wort mit ganz vielen Präfixen schreiben

ab- schreiben (das tut derjenige, der gerade nichts mehr zu schreiben weiß, und sich aus irgendwelchen Gründen aber gedrängt fühlt, noch mehr zu schreiben)
be- schreiben (kannst du entweder deine Füße, deine Hände, dein Blatt Papier im ganz konkreten Sinne mit Tinte [in Chico Buarques Roman “Budapeste” spielt ein Frauen-Beschreiber, der ginôgrafo, eine entscheidende Rolle] oder ein Bild, ein Erlebnis und einen abartigen Geruch mit Kraftausdrücken im abstrakten Sinne)
ver- schreiben (kannst du dich ebenfalls im konkreten Sinne, wenn du danach ein Wort durchstreichen musst [aber das tut ja niemand mehr, weil wir ja alle bloß noch tippen], oder aber du überlässt den Spaß deinem Arzt, wenn du Lust hast auf Antibiotika, Nasenspray und so weiter)
auf- schreiben (ist wiederum einfach: Das, was ich hier gerade mit absonderlichen Ideen tue.)

Gerade das Aufschreiben hat mir in meinem Leben oft als Ausdrucksform dessen gedient, was in mir lebendig ist. Noch stapeln sich in meinem alten Zimmer Tagebücher, die ich als Kind, Jugendliche und nahezu junge Erwachsene, vollgeschrieben habe und in denen ich eben alles aufgeschrieben habe, was mir so durch den Kopf ging. Gerade die allerältesten Schriften lösen in mir immer wieder Erstaunen aus, wie ungefiltert eine Elfjährige ihrem Zorn oder auch ihrem ungeschminktem Egozentrismus freien Lauf lassen kann, wenn sie im Tagebuch alleine unter sich (ja, das Paradox ist Absicht!) ist. Ein Zitat dazu wäre: “Bitte, XXX, bleibe die Freundin, die du jetzt bist! Nämlich meine Zweitbeste!” Gleichzeitig kommt aber auch der Zorn ganz ungefiltert raus, etwas, das wir beim “Erwachsen werden” bzw. beim “mit der Welt immer klarer Kommen” zunächst vielleicht meinen, vergessen oder vermeiden zu müssen: “Und YYY kotzt mich an. Die war heut schon wieder net da. Hab den Klassentagebuchdienst alleine machen können. Schmoll.”

Wenn wir hier und heute noch etwas übers Beschreiben sagen wollen, das ich sozusagen als Gegenteil oder auch nur als nächste Stufe zum Aufschreiben erkannt habe, dann belasse ich es mystisch mit einem Zitat des persischen Diechters Rumi (1207-1273), das ich in der “Gewaltfreien Kommunikation” von Marshall B. Rosenberg gefunden habe:

“Beyong our ideas of right-doing and wrong-doing, there is a field. I’ll meet you there.”

Dieser Blog…

… ist ein Versuch.
Vielleicht kennt jemand den Film “Julie und Julia”. Er ist 2009 erschienen und Meryl Streep spielt mit. Es geht um zwei junge Frauen, die im Kochen viel Leidenschaft entdecken. Die Hauptfigur Julie kochte dabei die Rezepte von Julia nach, schreibt einen Blog darüber und erhält ein Angebot zur Publikation ihres Buches.

Na, wenn das SO einfach ist!!!

Meine Geschichte beginnt vielleicht im Jahr 1998, als ein Mädchen, das vielleicht neun oder zehn Jahre alt ist, gefragt wird, was sie mal werden will (als wäre sie noch nichts!). Ihre Antwort ist eindeutig: Schriftstellerin. Wie sehr hat sie das Aufsatzschreiben doch geliebt in der Grundschule. Ihre Lehrerin war großzügig genug, die Langzeitaufsatzschreiber an den entsprechenden Tagen den ganzen Schultag über schreiben zu lassen, sodass die ersten “veröffentlichten” Schreibereien dieses Mädchens ziemlich lang geworden sind. Nunja. Das Mädchen ist heute 25 Jahre alt, und dieser Wunsch noch genauso lebendig wie die Gedankenstürme im Kopf (auch wenn sich beide [der Kopf und die Gedankenstürme] manchmal in ihrer Lebendigkeit gegenseitig zum Überlaufen bringen wollen). Sie studiert Spanisch und Portugiesisch und schreibt jeden Tag drei Seiten. Verdammt, vom Zuhausevorsichherschreiben bis zur Veröffentlichung – da fehlt mir irgendwie immer noch was!
Was?

… vielleicht dieser Blog.