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Meine Bestenliste: Bücher zu Spiritualität, Psychologie und Philosophie

Heute früh habe ich darüber nachgedacht, welche Bücher mich bisher weitergebracht haben in meiner gedanklichen Entwicklung. Mit “gedanklicher Entwicklung” meine ich die Häufigkeit, mit der ich es schaffe, mich bewusst gegen Depression und Angst zu entscheiden und mich stattdessen dazu entscheide, mich zu meinem Wohl und zum Wohle aller gut zu fühlen, glücklich zu sein und zu lieben, was ist.

Ihr findet die Liste hier, zukünftig mit einer kleinen Erläuterung zum jeweiligen Titel. (Diese Liste beruht auf eigener Erfahrung und niemand hat mich gesponsert ;)). Für die erste Gruppe habe ich die Beschreibungen bereits fertig, die weiteren werde ich nach und nach ergänzen. Über eure Rückmeldung, das Teilen von eigenen Erfahrungen mit den Titeln, und Ergänzungen freue ich mich sehr.

Gruppe 1: Rein “spirituelle” Literatur
  • Foundation for Inner Peace – Ein Kurs in Wundern
  • Osho – Mut
  • Anthony de Mello – Gott such in allen Dingen
  • Michael A. Singer – Die Seele will frei sein
Gruppe 2: Westliche Philosophie, Ethik und Psychologie
  • Erich Fromm – Die Kunst des Liebens
  • Stefanie Stahl – Das Kind in dir muss Heimat finden

Gruppe 3: Kreativität

  • Elizabeth Gilbert – Big Magic
  • Julia Cameron – Der Weg des Künstlers
Gruppe 4: Mischung zwischen Prosa und Spiritualität/Psychologie
  • Elizabeth Gilbert - Eat, Pray, Love
  • Gary Renard – The Disappearance of the Universe
  • Jorge Bucay – Komm, ich erzähl dir eine Geschichte
Gruppe 5: Praxis
  • Marshall T. Rosenberg – Einführung in die Gewaltfreie Kommunikation
  • Byron Katie – The Work & I Need Your Love – Is that True?
  • Pam Grout – E Quadrat & E Quadrat +

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1. Rein “spirituelle” Literatur

  • Foundation for Inner Peace – Ein Kurs in Wundern
    Meine Geschichte mit dem Buch: Zu einem Zeitpunkt in meinem Leben, an dem ich so gar nicht wusste, was mit mir los war – als alle Deutungsmuster nicht mehr passten, als ich nichts verstand von dem, was um mich herum geschah – da fasste ich den Beschluss: So geht es nicht weiter. Du musst hier rauskommen. Und du wirst das nur aus eigener Kraft schaffen. (Es war nichts Weltbewegendes geschehen – Ich war neu in Leipzig und fühlte mich oft einsam. Und diese Einsamkeit war deswegen so schlimm: Ich konnte keinen konkreten Grund für mein Unwohlsein nennen.)Diese Bereitschaft öffnete mich zunächst für Julia Camerons “Weg des Künstlers”. Anschließend wagte ich es, ohne irgendetwas von ihnen zu wissen, diese Übungen anzufangen, von der mir eine Freundin erzählte hatte. Es waren die Übungen aus dem Übungsbuch des “Course in Miracles”.Inhalt und Beschreibung: Die deutsche Übersetzung ist 1230 Seiten stark. Übersetzt aus dem englischen Original haben Margarethe Randow-Tesch und Franchita Cattani. Es geht in ihm darum, unsere Vorstellung von uns selbst als mangelbehaftet und bedürftig loszulassen. Wir sind, so der Kurs in seinem christlich geprägtem Vokabular, so wie Gott uns schuf (Lektion 110). Der Kurs besteht aus einem Textbuch, einem Übungsbuch und einem Handbuch für Lehrer.Ich habe den “Kurs” über die Online-Lektionen für jeden Tag kennen gelernt, die unter www.acim.org zu finden sind. Damals gab es sie ausschließlich auf Englisch, seit etwa einem Jahr sind sie auch auf deutsch, französisch und spanisch online. Diese Übungen sind darauf ausgelegt, unsere alten Gedankenmuster zu durchbrechen und im selben Moment innere Freiheit zu erfahren, die nicht aus der Projektion von Wünschen und Bedürfnissen ins außen besteht. Meiner Erfahrung nach ist die bewusste Verdichtung solcher Moment das Ziel der Übungen, bis wir von allein nicht mehr auf die alten, destruktiven Denkweisen zurückgreifen – eine echte Lebensaufgabe, wie ich inzwischen denke. Zwischen 2013 und 2014 habe ich alle 365 Übungen durchgemacht und immer tieferen inneren Frieden gefunden. Ich entdecke die Übungen zur Zeit wieder. Während ich sie zum ersten Mal durchexerzierte (ja, das ist wirklich HARTE Arbeit! ;)) dachte ich, dass am Ende der 356 Übungen tatsächlich die Erleuchtung auf mich wartet – heute weiß ich, dass sie immer schon auf mich gewartet hat und dass meine Fähigkeit, sie zu erkennen, von meiner Bereitschaft dazu abhängt. Sich die Übungen vorzunehmen ist meiner Meinung nach wirklich etwas für Wildentschlossene – wir müssen bereit sein, in jedem Moment unseres alltäglichen Lebens aufmerksam zu sein.Das Textbuch wiederum vertieft die in den Übungen behandelten Themen. Mein Eindruck war, dass seine Lektüre einem den Geist durchmalmt – zu Beginn habe ich es nur absatzweise lesen können, so anstrengend war es für mich.Zur Standard-Ausgabe des Kurses gehört schließlich noch das “Handbuch für Lehrer”. Ich kann dazu aber nicht viel sagen, weil ich es bis heute noch nicht zu Ende gelesen habe. Je nach Ausgabe gibt es außerdem noch Anhänge zu Psychotherapie und zum Gebet.Ich denke, dass mich der Kurs mein Leben lang begleiten wird. Gerade in Zeiten der Veränderung ist er für mich zu DER Stütze geworden, die mich durch den Wandel trägt und mir wirklichen Halt schenkt.Zitat:

    “Nichts Wirkliches kann bedroht werden. Nichts Unwirkliches existiert. Hierin liegt der Friede Gottes.”

    Empfehlung: Wenn ihr in die Tiefe gehen wollt. Wenn ihr gerade nichts Besseres zu tun habt. Wenn ihr Lust habt, euch euren Alltag und eure Denkstrukturen nach Strich und Faden durchwühlen zu lassen.

  • Osho – Mut
    Meine Geschichte mit dem Buch: Ich stand vor dem “Spiritualitäten”-Regal der Großraum-Buchhandlung in der Leipziger Innenstadt und wollte unbedingt ein spirituelles Buch kaufen. Und ich wollte es auf spirituelle Weise kaufen. Also musste der nächstbeste Verkäufer herhalten: “Welches Buch empfehlen Sie mir?”, wollte ich von ihm wissen. Er suchte Ausflüchte, es war kurz vor Ladenschluss – “Ich weiß es nicht, ich kenne mich nicht aus – Die Kollegin, die für diese Abteilung zuständig ist, ist gerade nicht da.” Ich druckste ein wenig herum. Ich wollte eine Antwort von ihm. Er merkte, dass ich nicht aufgeben würde, und zeigte auf die bunten Bände von Osho. “Also, das hier wird oft gekauft”, nuschelte er. Der braun-bunte Band “Mut” war seine Empfehlung. Ich entschloss mich, eben diesen zu beweisen und kaufte es.

    Inhalt:
    Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich dieses Buch des indischen Weisen gelesen habe, doch ich erinne mich gut daran, dass es einen tiefen Eindruck von Freiheit in mir hinterlassen hat. Ich hatte es auf einer Fahrt nach Dresden dabei und nachdem ich es fertiggelesen habe, stand ich auf dem kalten Bahnhof in Dresden-Neustadt und sang fröhlich vor mich hin.Zitat:

Sprich nicht von Unsicherheit, nenne es Freiheit.

  • Anthony de Mello – Gott such in allen Dingen

    Meine Geschichte mit dem Buch: Ich hatte meine Masterarbeit in Sprachwissenschaft abgegeben und war in Sachen Schönheit und Göttlichkeit ein bisschen ausgehungert. Es trieb mich in die Leipziger Innenstadt, genauer, in den Weltladen Connewitz bei der Thomaskirche. Denn: Hier befindet sich eine herrliche Auswahl an schöner Literatur, konsumkritischer Ratgeber und spiritueller Lehrbücher. Ich traf auf “Gott suchen in allen Dingen”, und sowohl sein in warmen Farben gehaltenes Desgin, als auch der Name des Autors und der Titel sprachen mich sofort an.Inhalt: Anthony de Mello ist Jesuitenpater. Er beschreibt in diesem Buch die Meditationen des Ignacio de Loyola, dem Begründer des Jesuiten-Ordens. Diese Meditationen haben viele Ähnlichkeiten mit buddhistischen Lehren und de Mello zieht auch immer wiede parallelen zwischen diesem christlichen Mystizismus und buddhistischen Ansichten. “Gott suchen in allen Dingen” hat mich dazu gebracht, mich den christlichen Wurzeln meiner Kultur wieder näher zu fühlen, und viel, viel Liebe und Dankbarkeit für die Menschen zu empfinden, die wie Anthony de Mello ihr Leben der spirituellen Suche widmen. So können wir alle lernen.Zitat:

Nur, indem wir wir Gottes und Christi Denkweise teilen, entwickeln wir einen Instinkt dafür, was richtig und falsch ist, wo der Geist spricht und wo nicht. Es ist wie mit dem Geschmack für Musik, gute Malerei und Wein  – wir bilden einen Instinkt für die Unterscheidung aus, der sich nicht durch Bücher und Seminar erlernen lässt. Wir lernen die Unterscheidung, indem wir die Tiefen unseres Herzens erkunden.

(Anmerkung: Ich finde es schön, “Gottes und Christi Denkweise” hier als den “jedem Menschen innewohnende ursprüngliche Sinn für das Gute” zu verstehen)


Empfehlung
: Ich empfehle dieses Buch Menschen, die den christlichen Lehren gegenüber aufgeschlossen sind und mehr über die Geistesgeschichte des Christentums und seine verschiedenen Ausprägungen erfahren möchte. Es gibt herrlich viel zu lernen über christliche – spanische, mittelalterliche – Mystik.

Michael A. Singer – Die Seele will frei sein.

Meine Geschichte mit dem Buch: Es war ein Intuitiv-Kauf am Spiritualitäten-Regal bei Lehmans.

Inhalt: Ein sehr schönes, knappes Buch über die Beschaffenheit des Geistes und darüber, wie wir das Leben wirklich tiefer erleben können. Für Singer ist die Angst für die Seele das, was für den Körper der Schmerz ist – Immer, wenn wir Angst empfinden, bedeutet das, dass wir gerade nicht gut mit unserer Seele umgehen. Konkret heißt das, dass wir versuchen, den Verstand zu benutzen, um die Lösung für das Leben zu finden – keine gute Idee, denn laut Singer nehmen wir die Welt viel klarer und tiefergehend wahr, wenn wir  auf die Zwischenschaltung des Verstandes verzichten. Singer Lösungsansatz ist, dass wir in jedem Moment, in dem wir Angst verspüren, achtsam sind und uns entspannen. Die Angst zeigt uns Grenzen auf, die wir selbst gezogen haben, und die wir aber eigentlich weder brauchen noch wollen. Das eigentliche Revolutionäre an seinem Buch ist, so scheint mir, die Feststellung, dass die Psyche an sich ein Problem ist. Wir haben nur eine Psyche, weil wir an einem gewissen Zeitpunkt angefangen haben, die Welt und die Vorgänge, die in ihr vonstattengehen, mit dem Verstand begreifen zu wollen. In dem Fall könnte man meineserachtens die Psyche mit dem Ego gleichsetzen, dem “Ich”, das unser Wahrnehmer erschafft, der Angst hat, sich der Realität zu stellen und deshalb seine Angst rationalisiert und ein “Ersatz-Ich” erschafft, durch das hindurch er lebt – und das ziemlich mies, denn nichts kann so schön und tief befriedigend sein wie die unmittelbare Erfahrung der Realität.

Ein Zitat: Was bringt es Ihnen, keinen Spaß zu haben?

Empfehlung: Ich empfehle es Menschen, die schon etwas mehr über ihren Wahrnehmungsapparat nachgedacht haben. Meiner Meinung nach sind in diesem Büchlein wahre Schätze vergraben.

2. Westliche Philosphie – Psychologie – Ethik

Meine Geschichte mit dem Buch: Dieses Buch kam wie aus dem Nichts und berührte mich tief. Ich war zum ersten Mal in Mexiko bei meinem damaligen Freund R. Als wir die ersten gemeinsamen Tage in Ciudad Guzmán verbrachten, zog er eines Tages dieses Buch heraus – auf Spanisch, “El Arte de Amar”. Ich war überrascht, ein Buch von einem Autoren mit offensichtlich deutschem Namen mit einem so schönen Titel vor mir zu haben, das ich selbst nicht kannte – und dessen Autor mir auch gar nichts sagte. R. erklärte mir: “Ich dachte mir: ‘Laura kommt hier her. Laura liest viel. Wenn sie hier ist, dann möchte ich auch ein Buch lesen.” Mir schmolz das Herz bei so viel Empathie von seiner Seite. Und doch war ich es, die “Die Kunst zu lieben” auf Spanisch zuerst ausgelesen hatte.

Inhalt: Im großen Ganzen beschreibt der Psychoanalytiker Fromm hier, dass Lieben ein aktiver Akt ist und uns nicht etwa einfach so passiert. Wir müssen aus der passiven Haltung herauskommen, in der wir davon ausgehen, dass Liebe uns “passiert”, und uns immer bewusster werden, dass wir uns stets für die Liebe entscheiden. Und weil die Liebe nach Fromm eine Kunst ist, können wir sie auch üben.

Er zählt in sieben Kapitel verschiedene Formen der Liebe auf und erledigt im selben Aufwasch auch noch einen Streifzug durch die westliche Geistesgeschichte. Besonders in Erinnerung geblieben ist mit seine Ermahnung gegen Ende des Buches, seine Zeit nicht zu vertrödeln und die Zeit, in der wir wach sind, mit offenem Geist zu verweilen. Denn die Liebe beschränkt sich nicht auf das Objekt, das wir lieben, sondern ist eine Geisteshaltung, die permanente Wachsamkeit verlangt.

Ein schönes Zitat ist:

Liebe ist nur möglich, wenn sich zwei Menschen aus der Mitte ihrer Existenz heraus miteinander verbinden, wenn also jeder sich selbst aus der Mitte seiner Existenz heraus erlebt.” (S.119)

Empfehlung: Ich empfehle dieses Buch den Menschen, die am Beginn einer Beziehung stehen oder sich überlegen, wie sie ihrer bereits bestehenden Beziehung mehr Tiefe verleihen können. Auch Interessierten an der westlichen Geistesgeschichte (besonders des 20. Jahrhunderts) kann ich “Die Kunst zu lieben” wirklich empfehlen.

  • Stefanie Stahl – Das Kind in dir muss Heimat finden
  • Meine Geschichte mit dem Buch: Das dachte ich, als ich es kaufte: “Das wird jetzt das letzte Selbsthilfebuch, das ich lese.” Falsch.
  • Inhalt: Stefanie Stahl beschreibt mit ihrer Metapher vom “Schatten-” und vom “Sonnenkind” zwei mentale Zustände, die wir alle kennen. Der eine ist unsere verdrängte Angst, die wir erlebten, als wir Kinder waren und von Erwachsenen abhängig. Wenn diese Erwachsenen nicht immer zuverlässig oder gar bedrohlich waren, kann es passieren, dass unser Schattenkind ausgeprägter ist als das Sonnenkind. Das Sonnenkind ist unsere verspielte Seite, die gerne unbekümmert ist und das Leben genießt. Wenn wir oft unter den Schutzmechanismen des Schattenkindes leiden, das uns vor imaginierten Gefahren retten will und dabei hin und wieder unser Leben und unsere Beziehungen durcheinander bringt, dann tut es Not, das Sonnenkind zu stärken. Dies tun wir, indem wir z.B. nachsichtig mit anderen sind, uns selbst öfters etwas Gutes tun und unserem Schattenkind gut zureden, es aber nicht mehr auf den Fahrersitz setzen.
  • Zitat:

Es reicht, dass man gern lebt.

Empfehlung: Für Menschen, die noch mit ihren Gedanken und Gefühlen aus der Vergangenheit beschäftigt sind. Das Buch gibt Gelegenheit, Vergangenes zu reflektieren und damit leichter loszulassen.

3. Kreativität

Elizabeth Gilbert – Big Magic

Das Buch und ich: Es ist ein Hörbuch. Erschienen im September 2016, habe ich es mir in seiner Hörbuchfassung im Dezember dieses Jahres zugelegt. Der Grund war, dass ich mich damals in Brasilien befand und ziemlichen Hunger auf anglophone Kultur hatte – die  irgendwie doch immer noch meine Heimat ist, so gerne ich mich auch gerne mit der romanischen verbandele.

Was steht drin? Zunächst das Bonbon der englischsprachigen Hörbuchfassung: Elizabeth Gilbert persönlich hat sie eingelesen. Und der Inhalt ist eine Zusammenfassung dessen, was Gilbert über das kreative Leben denkt. Sie meint, dass “nicht-kreatives” Leben zwar möglich ist – es passiert einfach nichts, wenn wir einer kreativen Eingebung nicht nachgehen – aber dass ein kreatives Leben wesentlich spannender ist. Wonach hat unsere Seele stets Hunger?, so fragt sie. Ihre Antwort lautet: Wunder. Besonders gut gefallen hat mir ihr Bild vom Roadtrip des kreativen Lebens: Wenn sie ein neues Projekt beginnt, setzt sie sich ans Steuer, die Kreativität sitzt auf dem Beifahrersitz und die Angst wird auf den Rücksitz verbannt. Ja – die Angst darf mit. Je mehr wir sie zusammenstauchen, dass sie gefälligst verschwinden soll, desto stärker und unkontrollierbarer wird sie – so Gilbert. Von daher gilt es zu sagen: Ja, liebe Angst, du darfst mitkommen. Aber du darfst auf GAR KEINEN FALL ans Steuer ;).

Was wird besonders Schönes gesagt?

It’s all about the yes.

Wem würde ich dieses Buch empfehlen? Dieses Buch lege ich allen ans Herz, die einen neuen Anschub und eine Bestätigung brauchen, dass Malen, Basteln, Gärtnern, Kochen, Ball spielen, Nähen, Musik machen, Eislaufen, spazierngehen, Radiosendungen produzieren, … kurz, alles, was Spaß macht, WIRKLICH VON RELEVANZ für ein gutes Leben ist. Und nicht nur, wenn man von diesen Tätigkeiten leben kann – Sie sind relevant, weil man MIT ihnen viel besser leben kann. :)

 

Julia Cameron – Der Weg des Künstlers

Wie kam’s? Eine tolles Seminar der Selbstmanagement Initiative Leipzig namens “Eigeninitiative und Selbstbestimmung” fand 2014 im Frühjahr in der Alten Handelsschule beim Reformpädagogen Otto Herz statt. Einer der Teilnehmer, der sich von einer Depression erholt hat und inzwischen mit Körperarbeit arbeitet, hat es mir empfohlen. Gefühlt war ich damals verstopft mit alten Gefühlen und Hemmungen. Und: Ja, es hat geholfen. Und zwar nachhaltig.

Was steht drin? Schreibe jeden Morgen drei Seiten und lass den ganzen Gedankenmist aus dir raus. Triff dich einmal die Woche für eine Stunde mit deinem Künstler, d.h. mach ganz bewusst etwas, das dir Spaß macht. Erinnere dich daran, was du als Kind gerne gemacht, gespielt, gegessen hast… Erinnere dich daran, worin du gut warst. Was dir gelingt, ohne, dass du dich anstrengen musst. So kommst du an deine Kreativität ran. Und arbeite ein bisschen bewusst die Gedanken von früher auf – es lohnt sich, denn du brauchst sie nicht mehr.

Was sagt sie Cooles?

Meine Kreativität heilt mich und andere.

Wer könnte damit etwas anfangen? Ich denke, das Buch wird vor allem diejenigen ansprechen, die sich mit Wehmut daran zurückerinnern, wie sie als Kind gemalt, gespielt, gebastelt, Sport gemacht haben… Und irgendwie das Gefühl haben, den Zugang zu dieser Quelle verloren zu haben. Das Buch ist auch für Leute gedacht, die keine Angst vor Spaß haben. ;)

4. Mischung zwischen Prosa und Spiritualität / Psychologie

Elizabeth Gilbert – Eat, Pray, Love

Wie kam ich zu dem Buch? Ich war auf der Suche nach etwas Erbauendem – und der zugehörtige Kinofilm war mir schon ein paar Jahre zuvor aufgefallen. So lud ich es bei der Leipziger Stadtbibliothek im Onlinebereich als Hörbuch herunter und verbrachte drei Tage damit. Nebenbei entstand ein farbenfrohes Holzstiftbild, das ich kurz darauf einem Freund zum Geburtstag schenkte.

Was wird gesagt? Elizabeth Gilbert erzählt von sich – wie auf einer kleinen Weltreise die Liebe zu sich selbst fand.

Was wird Schönes gesagt?

  • Man muss sehr höflich zu sich sein, wenn man etwas Neues lernt.

  • Wer möchte das vielleicht gern lesen? Ich kann mir vorstellen, dass vor allem Frauen Freude an “Eat Pray Love” haben, denn Gilberts Geschichte ist ermutigend und kraftvoll.

TBC!


  • Die aufgeführten Links führen bei deutschsprachigen Büchern zur Autoren- bzw. Verlagsseite. Die englischsprachigen Bücher führen zu den Autorenseiten auf Amazon, mit der Ausnahmen von “Ein Kurs in Wundern”, desen Link direkt auf die Seite der Foundation for Inner Peace führt.

    Alte Medien und neue Inhalte?

    Eigentlich sind es zwei alte Medien, von denen ich jetzt schreiben werde. Es geht um einen Kinofilm und ein Comicheft, konkret um “Marsian” mit Matt Damon und “Asterix und die Schriftrolle des Cäsar”. “Marsian”, oder deutsch: “Marsianer” hatte am 8.10.2015 in Deutschland Premiere, “Asterix und die Schriftrolle des Cäsar” ist ebenfalls in diesem Jahr bei Egmont Ehapa Medien GmbH erschienen. Zwar mussten wir uns bei Matt Damon, der den Marsianer Mark Watney spielt, 3-D-Brillen auf die Nase setzen, und mit seinen 148 Minuten ist er auch ein ziemlich langer Film, doch vieles bleibt beim Alten: Wir sitzen in den Sesseln, noch umkriechen uns keine Düfte, die auf uns zufliegenden Mars-Partikel sind nur mäßig realistisch wahrzunehmen (von der zweiten Reihe aus). Was ich wirklich neu und bemerkenswert finde an diesem Film, und vielleicht merkt man daran auch, dass ich schon länger keine richtigen Hollywood-Science-Fiction-Blockbuster gesehen habe, sind folgende Punkte: Der Leiter der Mars-Mission der NASA ist Schwarzer [als ich vor ca. 10 Jahren noch regelmäßiger ins Kino gegangen bin, wäre diese Rolle mit einem glattrasierten Weißen besetzt gewesen]. Die Kommandantin der Crew auf dem Mars und in der Raumfähre Hermes ist eine Frau (und es ist noch eine weitere dabei). Als Gegenspieler der USA tauchen zunächst nicht die Russen auf [sie tauchen gar nicht auf]; diesen Part haben die Chinesen übernommen, aber die werden wiederum lieb und kooperieren mit den US-Amerikanern, um Mark Watney nach Hause zu holen. Und, ganz wichtig: Es gibt keinen Sex im Film.

    Alles in allem lässt sich also sagen, dass sich in diesem Film ein sich wandelndes Weltbild finden lässt, wenn man, wie ich ;), danach sucht. Oder zumindest eines, das sich einer sich wandelnden Welt angepasst hat.

    Was Asterix betrifft, so pack ich an dieser Stelle meine Literaturwissenschaftskenntnisse aus. Der neue Band ist Metafiktion pur. Und zwar ist er das aus zweierlei Gründen: Erstens wird Cäsars Werk “De Bello Gallico” erwähnt [ja, genau das, in dem der Autor selbst von sich ständig in der dritten Person spricht]; und zweitens tauchen die Schöpfer der Comicserie am Ende des Heftes selbst im Comic auf. Das Papyrus des Cäsars ist nämlich [und an dieser Stelle hören bitte Menschen zu lesen auf, die sich den Band noch persönlich vorknöpfen wollen] der unterschlagene Teil des Bello Gallico, welchen Cäsars PR-Berater lieber nicht veröffentlich sehen wollte. Cäsar schreibt in diesem Teil nämlich von seinen Niederlagen gegen die Gallier in Asterix’ und Obelix’ Dorf [was an dieser Stelle von meiner Seite als ein Pluspunkt an die Figur des Cäsars in der Geschichte zu werten ist und damit ein Lob an die Autoren]. Jener PR-Berater Syndicus ordnet an, dass alle bereits kopierten Schriftrollen zerstört werden, was ihm natürlich misslingt. Eine davon gelangt in Asterix’ Dorf. Das Ende vom Lied ist, und hier dockt der zweite Metafiktionalitätspunkt an, den ich sehe, dass die Schriftrolle über Miraculix’ Druidengilde bis in unsere heutige Zeit oral weitergegeben wird, bis wir -tralala- auf der letzten Seite des Heftes eben betrachten können, wie ein langhaariger, alter weißer Mann zwei Jungen Journalisten diese Geschichten erzählt. Hier haben wir den Entstehungsmythos der Asterix-Hefte, selbst in einem Heft erzählt.

    Ist der erste Punkt eigentlich charakteristisch und wahrscheinlich das Erfolgsgeheimnis für die Asterix-Serie, nämlich, dass Elemente aus der römischen Geschichte in Europa in die Geschichte um das gallische Dorf eingewoben werden, so ist der zweite Punkt meines Wissens nach zumindest neu: Dass die beiden bereits verstorbenen Autoren René Goscinny und Albert Uderzo im Heft selbst auftauchen, kitzelt den Leser ganz schön, sorgt für ein überraschendes Aha-Erlebnis und macht das Heft damit zu einer für mich sehr positiven Überraschung. Von allen anderen gelungenen Anspielungen, die das Heft ebenfalls lesenswert machen, erzählt euch z.B. die Wikipedia.

    Auch wenn beide Formate also, wie gesagt, eher alt und noch konventionell sind, haben mich doch ihre Inhalte sehr positiv überrascht. Ich freue mich, dass es solche Art von Unterhaltung gibt.