Posts in Category: Allgemein

Und wenn du glücklich bist

Und wenn du glücklich bist, dann fragst du eigentlich nichts.
Und wenn du glücklich bist, dann bist du es noch nicht einmal.
Es ist keine Aufregung, keine Sucht
Keine Gedränge und keine Suche.
Es ist und es ist
So wie du bist und bist.

Tagebuch nach Zitaten von Richard Hawkins 7.+8.9.: die und Angst und die Integrität

  1. September:

Angst selbst schließt das Gewahrwerden der Gegenwart Gottes aus. Nur wenn die Angst aufgegeben wurde, offenbart die Übergabe des resistenten Egos einen Frieden jenseits des Verstehens.

Hawkins schreibt hier, dass wir Angst aufgeben können. Das heißt, für ihn ist es eine bewusste Entscheidung, ja sogar eine anzutrainierende Gewohnheit, keine Angst zu haben. Es ist freilich utopisch, von einen Tag auf den anderen entscheiden zu wollen, ab jetzt keine Angst mehr haben zu wollen. Das wird nicht funktionieren. Aber wir können uns darauf konzentrieren, uns mehr und mehr darauf zu konzentrieren, zu verstehen, warum wir Angst haben.  Was bedeutet Angst? Angst ist die Ablehnung einer Situation, wie sie gerade ist. Angst sagt, dass ich mich als verletzlich und schutzbedürftig wahrnehme. Aber warum tue ich das an einem bestimmten Tag in einer bestimmten Situation, und in genau der gleichen Situation an einem anderen Tag nicht?

 8. September

Kraft kommt von Integrität und der Akzeptanz von Verantwortung für die Konseqzenzen der eigenen Handlungen, Wahlen und Entscheidungen. Alle Wahlen tragen Risiken in sich und wenn man so tut, als sei das nicht so, ist man nicht integer und spielt stattdessen, um zu gewinnen.

Nichts ist unglaubwürdiger als eine Werbung, die dir das Blaue vom Himmel verspricht. Letztens habe ich eine Werbung auf Facebook gesehen, da wurde damit geworben, dass man mit einer bestimmten Form von Coaching lernt, wie man “alles unter Kontrolle hat, weil man nichts dem Zufall überlässt”. Ehrlich gesagt ist mir schlecht geworden, als ich das gelesen habe. Ich habe nichts unter Kontrolle. Ich kann schauen, was ich tun kann, um eine gewisse Haltung zu erreichen, damit ich mich dem Leben nicht vollkommen ausgeliefert fühlen muss. Aber mir vorstellen, dass ich alles unter Kontrolle haben muss, um erfolgreich und zufrieden zu sein, das halte ich für absurd.

Tagebuch nach Zitaten von David Hawkins. 6. September: Der innere Friede und die Werte

Innerer Friede kommt aus Übergabe sowohl von Anziehungen als auch von Abgneigungen. Was man als Werte wahrnimmt, sind hauptsächlich Projektionen von “Erwünschtem” und “Nicht-Erwünschtem”. Je seltenere solche “Wünsche”, desto größer die Leichtigkeit und Zufriedenheit des Lebens.

—————————————–

Es ist Wahlkampf in Deutschland. Manche Politiker machen explizit Werbung für sich, indem sie alle Bewohner dieses Landes dazu aufrufen, sich auf gemeinsame Werte zu besinnen. Während ich nachvollziehen kann, dass es Konsens geben muss in einer Ansammlung von Menschen, dass man sich gegenseitig nicht an die Gurgel geht, finde ich die “Leitkultur”-Debatte, wie sie z.T. geführt wird, unsinning. Hawkins sagt hier, dass jede Ansammlung von Werten Projektionen sind – es ist also willkürlich, welche Inhaltsstoffe ich in meine Leitkultur-Suppe kippe. In diesem Fall geht es nur um Ausgrenzung und um Gleichmacherei. Wer so etwas propagiert, der hat vielleicht nie über den eigenen Tellerrand geschaut und weiß gar nicht, wie befreiend und konflikt-mindernd die Auseinandersetzung mit fremden Ansichten und Haltungen das für unsere Seele – und im weitesten Sinne für unsere Gesellschaft – sein kann.

Ich merke diese kognitive Dissonanz, wenn sie aufpoppt, oft genug mit Menschen, die aus einem anderen Land als Deutschland kommen und z.B. nicht denken, dass man sich auf öffentlichen Plätzen auf jeden Fall ruhig und unauffällig verhalten soll. Dass man sich so und so kleiden soll. Dass nur jemand, der diese und jene  Kriterien erfüllt, auch für solche und solche Aufgaben geeignet ist.

Ich denke, dass wir dieses Zitat völlig unaufgeregt hinnehmen können, wenn wir es einfach nur auf unser eigenes Leben anwenden: Mit welchen Werten identifiziere ich mich? Warum sind sie mir so heilig? Geht es mir gut, wenn ich sie verteidige, oder wird es anstrengend und verliere ich meine Mitte dabei?

—————————————–

Die Veröffentlichung, mit der ich hier arbeite heißt “Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen”. Sie enthält ein Zitat von David Hawkins pro Tag. Ich arbeite mit der deutschen Ausgabe:

Hawkins, David R, and Scott Jeffrey. Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen. Wasserburg/Inn: Sheema-Verl., 2012.

5. September: Freude steigt auf. [Tagebuch nach Zitaten von Dr. Dr. David R. Hawkins]

Freude steigt aus jedem Augenblick der Existenz auf und kommt nicht aus irgendeiner äußeren Quelle.

—————–

Da saust mir gleich dieser Gedanken um die Ohren: Das ist zu krass. Das ist unglaublich. Wie kann es nicht daran liegen, dass ich gerade mit meinem Liebsten kuschele, wenn ich mich freue und ich glücklich bin? Oder ist das eine andere Art des Glücks? Oder gab es auch schon Momente, in denen ich mit ihm gekuschelt habe, und ich nicht glücklich war? Ich glaube, diese letzte Frage bringt uns auf die richtige Spur. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass Freude unmittelbar direkt und notwendigerweise mit äußeren Dingen verbunden ist (das eigene Haus, das neue Auto, die neuen Klamotten, aber auch das neue Buch, der neue Yoga-Kurs, der Sonnenschein, die Beziehung, die “gut” läuft… ), dann müssten sie uns zwingend jedes Mal, wenn wir uns mit ihnen konfrontieren, glücklich machen. Dass dies nicht der Fall ist, sagt uns die Erfahrung – wir könnten ja einfach stets bei einer “Quelle” des Glücks bleiben (ich in diesem Fall wäre heute früh einfach im Bett geblieben und hätte nicht angefangen zu schreiben ;)). Wer macht das schon? Drogensüchtige. Wie endet das? Entweder, sie verlassen diese “Quelle” früher oder später wieder – oder es gibt eine Katastrophe.

Bei dem Beispiel mit dem Haus fällt mir auf, dass manche gesellschaftlichen Konstrukte sogar dazu geschaffen worden sein können, dass wir nie glücklich werden. Ein Bausparvertrag ist eine Sache auf Lebenszeit; an einem Haus zahlst du dein Leben lang Kredit – du wirst vielleicht wirklich glücklicher sein, wenn du dich nicht mehr mit den rockmusik-affinen Nachbarn rumschlage musst und deine Kinder auf dem Rasen spielen können. Aber wie lange hält dieses Glück? Was muss kommen, dass du dich wieder ärgerst wie früher, dass du dich entmutigt fühlst und traurig?

Das Beispiel mit dem Haus funktioniert natürlich auch anders herum. Ich kenne eine brasilianische Universitätsdozentin, eine hart arbeitende, liebevolle und gütige Frau, die sich ein Herz genommen hat und ein Haus gebaut hat. Heute empfängt sie dort ihre Stundenten, die zum Teil aus indigenen Siedlungen im amazonischen Regenwald anreisen und auf eine geschützte Unterkunft angewiesen sind. Ich kann mir vorstellen, dass die Hingabe dieser Dame, sich selbst, ihren Kindern und ihren Studenten Raum zu geben, um zu lernen, zu wachsen, und sich aufgehoben zu fühlen, dazu geführt haben, dass dieses Haus wie eine Kirche wirkt – sie plant sogar schon eine Trauung in ihrem hellen, weitläuftigen Wohnzimmer vorzunehmen.

Also, wir sind wieder bei der Motivation. Hawkins weist uns darauf hin, dass die Freude aus der Existenz kommt – darauf können wir uns besinnen, wenn wir mal wieder dem Mangel vermeintlich ins Gesicht schauen und alles um uns verfluchen, wie wir denn jemals in diese schreckliche Situation gelangen konnten. Wir sind genau deshalb unglücklich, weil wir der Existenz [dem, was gerade ist] die Möglichkeit versagen, uns glücklich zu machen.

—————-

Die Veröffentlichung, mit der ich hier arbeite heißt “Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen”. Sie enthält ein Zitat von David Hawkins pro Tag. Ich arbeite mit der deutschen Ausgabe:

Hawkins, David R, and Scott Jeffrey. Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen. Wasserburg/Inn: Sheema-Verl., 2012.

4. September: Die Quelle des Vergnügens sprudelt innen.

Der wahre Urpsrung von Freude und Glück ist die Verwirklichung der eigenen Existenz in gerade diesem Moment. Die Quelle des Vergnügens sprudelt innen, auch wenn sie manchmal durch ein äußeres Ereignis oder eine Erwerbung angestoßen wird. In jedem einzelnen Augenblick der Zeit kann so etwas wie ein Problem nicht existieren. Unglück entsteht, wenn man aus der Realität des Jetzt hinausgeht und aus Vergangenheit oder Zukunft eine Geschichte erschafft, die keine Realität hat, da beides nicht existiert.

———

Ich denke, da ist viel dran. In dem Moment, wo ich mich von “mir” bzw. meine Bedürfnissen und meiner Lebensrealität entferne, dann werde ich unglücklich. Das ist die ganze Kunst des Unglücklichseins – finde immer das, was noch fehlt. Suche immer etwas, das falsch ist. Dann wirst du Hundertprozentig unglücklich darüber. Diesbezüglich lege  ich auch jedem die Lektüre der “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick nahe.

Das Unglücklichsein hat – neben dem tatsächlichen Nachteil, unglücklich zu sein – noch einen weiteren Haken: In dem Moment, wo wir unglücklich sind, wo wir uns Sorgen machen und auf der Stelle treten, tun wir nichts dafür, in der Zukunft wieder glücklich zu werden.

Die Hawkins-Challenge: 2. September

2. September

Was die Menschen in der Welt wirklich wollen, ist die Erkenntnis, wer sie auf der höchsten Ebene tatsächlich sind. Sie möchten sehen, dass dasselbe Selbst gleichermaßen aus dem Innersten eines jeden hervorscheint, ihre Gefühle von Getrenntheit heilt und sie in ein Gefühl von Frieden versetzt.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich daran gezweifelt, dass das, was ich für mich als richtig und wichtig erkannt habe, auch notwendigerweise für andere richtig und wichtig sein muss. Doch jedes Mal, wenn ich von diesem Gedanken Abstand genommen habe – nämlich dem, dass es etwas gibt im Leben, dass allen Menschen gleichermaßen zu Wachstum, Friede und Freiheit verhilft – , dann endete das in Depressionen. Eine linksliberale Welt will verhindern, dass Menschen Vorschriften gemacht werden, wie sie ihr Leben zu gestalten haben. Gleichzeitig löst sie auch sie Wegmarken immer mehr auf, die den Mensch darauf hinweisen, was wichtig ist, um ein glückliches Leben zu führen. Ich haben diese linksliberale “Anything-goes”-Haltung während meines Studiums verinnerlicht, und ich muss sagen, ich bin nicht gerade gut gefahren damit. Allerdings – vielleicht ist diese Haltung auch ein notwendiger Schritt bevor ich erkenne, dass es doch Regeln gibt – also muss ich zunächst einmal bewusst die Existenz von Regeln verneinen, bevor ich irgendwelche Regeln als für mich gültig anerkennen kann.

 

Es ist auch interessant, allen Menschen die gleiche Handlungsabsicht zu unterstellen, wie Hawkins es hier tut. Und diese Handlungsabsicht ist der Wunsch nach Einheit – the urge for unity. Das heißt, dass das, was alle Menschen tun, aus diesem Wunsch heraus getan wird. Es scheint nur nicht immer zu funktionieren. Oder warum lassen die Leute die Hundehaufen ihrer Vierbeiner auf der Straße liegen? Warum beklage ich mich darüber?

#30: Beschreibe deinen Tag in vier Szenen

170901VierSzenen

Übung von Lynda Barry.

—————————————

Dies ist die letzte Übung von Aniko Villalbas Challenge “30díasdeescribirme“. Danke an alle fürs Folgen. Ich freue mich über eure Kommentare. Die Einträge werde ich voraussichtlich nächste Woche alle auf dem Blog gesondert speichern. Denn: Ich brauche Platz! Diese Challenge hat mich dazu inspiriert, das regelmäßig Schreiben und Hochladen fortzuführen. Ich habe dazu auch schon ein Thema gefunden und die ersten beiden Einträge stehen schon. Lasst euch überraschen :).

 

#29: Schreibe einen Absatz aus deinem zukünftigen Buch

Totales “Work in Progress”. ;) Aber der erste Schritt zur Veröffentlichung ist hiermit getan. ;)

————

Wie so oft verlief sich auch diese Probe in Wohlgefallen, nachdem Matthias den letzten Zähler abgewunken hatte. Leticia hatte sich gefühlt wie immer, wenn sie seit Angelas Tod unter Leute gekommen war, aber nicht ganz so schlimm. Die meisten der Chormitglieder vermieden es, mit ihr zu sprechen; dafür hatte sie extra schwarze Kleidung ausgewählt, auch wenn sie davon im Allgemeinen nichts hielt. Die beiden Kolleginnen in ihrer Singstimme umarmten sie, sie waren auch bei der Beerdigung dabei gewesen. Alles in allem tat es aber unendlich gut, zu singen. Sie spürte wie sich zeitgleich mit ihrem Brustkorb auch ihre Seele öffnete. Die Harmonien schwebten in der Luft und waren für alle im Raum zugänglich; gleichzeitig war der Probenraum erfüllt von Intimität. Sie spürte, wie sie sich selbst ein Stück weit vergessen konnte in diesem Singen und gab sich dem Quellen der Töne hin. Sie verabschiedete sich schnell an diesem Abend und fuhr jedoch irgendwo in den Tiefen des Bewusstseins beruhigt und mit etwas leichterem Herzen nach Hause.

Es war eine dieser Novembernächte, die in diesem Teil von Deutschland schon um halb vier nachmittags begannen, sich nach vier Wochen ins Herz einnisteten, und erst irgendwann im März oder im April wieder von Amseln, Apfelblüten und Pollengeruch verscheucht wurden. Der Graupel prasselte auf die Windschutzscheibe, der Wagen rollte knisternd über das ausgestreute Rollsplit der Landstraße; und ein Radioredakteur hatte sich tatsächlich erdreistet, zu einer Uhrzeit wie dieser in einer Nacht wie dieser “Purple rain” ins Programm zu setzen. Leticia hatte früher die Dreistigkeit besessen, der Musikauswahl beim Autofahren bisweilen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als der Straße, das tat sie seit ihre Kinder auf der Welt waren nicht mehr. Sie hatte in ihren Verhaltenskodex einprogrammiert: aushalten.

 

————–

Text inspiriert von: https://www.escribir.me/dia-29-escribi-un-parrafo-de-tu-futuro-libro/

#27: Schreibe über die Geschichte der Kleidungsstücke, die du trägst.

Wann ich diese Leggins gekauft habe, weiß ich nicht mehr. Ich trage sie diese Woche zum ersten Mal seit Langem wieder. Da es draußen regnet und die Temperatur niedriger als sonst ist, trage ich sie zum Rock. Den habe ich vor zwei Jahren vor Weihnachten gekauft. Ich studierte damals noch und hatte mir im vorhergehenden Jahr keine neue Kleidung gekauft. Kurz vor Weihnachten, wenn ein schöner Spaziergang wegen der Kälte auch darin besteht, sich zwischen den bunten Kleidungsstücken der Kleidungsgeschäfte zu verlieren, kaufe ich mir oft neue Kleidung, um sie am Weihnachtsfest mit meiner Familie zu tragen. So kam dieser schlichte, schwarze Stoffrock in mein Leben.
Das Top, das ich heute trage, ist von diesem Jahr. Es ist dunkelblaue und trägt einen weiß-rosafarbenen Druck in Form von Blättern. Ich trage es, als besäße ich es schon eine Ewigkeit. Obwohl ich es erst dieses Jahr gekauft habe, ist es schon ein wenig ausgeleiert. Darüber trage ich eine hell-rosafarbene Strickjacke, die kein Etikett mehr trägt. Ich habe sie von meiner Schwester bekommen, die sie wiederum von ihrer Freundin bekommen hatte. Am linken Ärmel auf Schulterhöhe finden sich schon ein paar kleinere Bleichflecken, ansonsten ist sie makellos; vielleicht doch ein bisschen ausgebleicht in ihrer Farbe. Und doch – ihre Farbe ist es, die ich am liebsten mag. Es ist ein helles Rosa, mit ein wenig Gelb-Anteil; alles in allem würde ich die Farbe als „Erdbeereis“ bezeichnen.

DSC00324

—————

Dieser Beitrag reagiert auf den Post von Aniko Villalba in ihrem Blog “30diasdeescribirme”. Das hier ist der Link: https://www.escribir.me/dia-26-escribi-acerca-de-la-ropa-que-estas-usando-ahora-mismo-como-cada-prenda-llego-a-tu-vida/

#23: Wo bist du wie deine Mutter?

Ich bestehe darauf, dass die Küche sauber bleibt. Keine Krümel auf dem Fußboden. Alle Flächen abgewischt. Ich ritualisiere das Wäsche Waschen. Es entspannt mich, die Waschmaschine laufen zu hören. Ich lege die Wäsche zusammen und trage sie prozessionsartig in das Zimmer, wo ich sie im Schrank verstaue. Ich höre meinen Lieblingssänger rauf und runter.