Alte Medien und neue Inhalte?

Eigentlich sind es zwei alte Medien, von denen ich jetzt schreiben werde. Es geht um einen Kinofilm und ein Comicheft, konkret um “Marsian” mit Matt Damon und “Asterix und die Schriftrolle des Cäsar”. “Marsian”, oder deutsch: “Marsianer” hatte am 8.10.2015 in Deutschland Premiere, “Asterix und die Schriftrolle des Cäsar” ist ebenfalls in diesem Jahr bei Egmont Ehapa Medien GmbH erschienen. Zwar mussten wir uns bei Matt Damon, der den Marsianer Mark Watney spielt, 3-D-Brillen auf die Nase setzen, und mit seinen 148 Minuten ist er auch ein ziemlich langer Film, doch vieles bleibt beim Alten: Wir sitzen in den Sesseln, noch umkriechen uns keine Düfte, die auf uns zufliegenden Mars-Partikel sind nur mäßig realistisch wahrzunehmen (von der zweiten Reihe aus). Was ich wirklich neu und bemerkenswert finde an diesem Film, und vielleicht merkt man daran auch, dass ich schon länger keine richtigen Hollywood-Science-Fiction-Blockbuster gesehen habe, sind folgende Punkte: Der Leiter der Mars-Mission der NASA ist Schwarzer [als ich vor ca. 10 Jahren noch regelmäßiger ins Kino gegangen bin, wäre diese Rolle mit einem glattrasierten Weißen besetzt gewesen]. Die Kommandantin der Crew auf dem Mars und in der Raumfähre Hermes ist eine Frau (und es ist noch eine weitere dabei). Als Gegenspieler der USA tauchen zunächst nicht die Russen auf [sie tauchen gar nicht auf]; diesen Part haben die Chinesen übernommen, aber die werden wiederum lieb und kooperieren mit den US-Amerikanern, um Mark Watney nach Hause zu holen. Und, ganz wichtig: Es gibt keinen Sex im Film.

Alles in allem lässt sich also sagen, dass sich in diesem Film ein sich wandelndes Weltbild finden lässt, wenn man, wie ich ;), danach sucht. Oder zumindest eines, das sich einer sich wandelnden Welt angepasst hat.

Was Asterix betrifft, so pack ich an dieser Stelle meine Literaturwissenschaftskenntnisse aus. Der neue Band ist Metafiktion pur. Und zwar ist er das aus zweierlei Gründen: Erstens wird Cäsars Werk “De Bello Gallico” erwähnt [ja, genau das, in dem der Autor selbst von sich ständig in der dritten Person spricht]; und zweitens tauchen die Schöpfer der Comicserie am Ende des Heftes selbst im Comic auf. Das Papyrus des Cäsars ist nämlich [und an dieser Stelle hören bitte Menschen zu lesen auf, die sich den Band noch persönlich vorknöpfen wollen] der unterschlagene Teil des Bello Gallico, welchen Cäsars PR-Berater lieber nicht veröffentlich sehen wollte. Cäsar schreibt in diesem Teil nämlich von seinen Niederlagen gegen die Gallier in Asterix’ und Obelix’ Dorf [was an dieser Stelle von meiner Seite als ein Pluspunkt an die Figur des Cäsars in der Geschichte zu werten ist und damit ein Lob an die Autoren]. Jener PR-Berater Syndicus ordnet an, dass alle bereits kopierten Schriftrollen zerstört werden, was ihm natürlich misslingt. Eine davon gelangt in Asterix’ Dorf. Das Ende vom Lied ist, und hier dockt der zweite Metafiktionalitätspunkt an, den ich sehe, dass die Schriftrolle über Miraculix’ Druidengilde bis in unsere heutige Zeit oral weitergegeben wird, bis wir -tralala- auf der letzten Seite des Heftes eben betrachten können, wie ein langhaariger, alter weißer Mann zwei Jungen Journalisten diese Geschichten erzählt. Hier haben wir den Entstehungsmythos der Asterix-Hefte, selbst in einem Heft erzählt.

Ist der erste Punkt eigentlich charakteristisch und wahrscheinlich das Erfolgsgeheimnis für die Asterix-Serie, nämlich, dass Elemente aus der römischen Geschichte in Europa in die Geschichte um das gallische Dorf eingewoben werden, so ist der zweite Punkt meines Wissens nach zumindest neu: Dass die beiden bereits verstorbenen Autoren René Goscinny und Albert Uderzo im Heft selbst auftauchen, kitzelt den Leser ganz schön, sorgt für ein überraschendes Aha-Erlebnis und macht das Heft damit zu einer für mich sehr positiven Überraschung. Von allen anderen gelungenen Anspielungen, die das Heft ebenfalls lesenswert machen, erzählt euch z.B. die Wikipedia.

Auch wenn beide Formate also, wie gesagt, eher alt und noch konventionell sind, haben mich doch ihre Inhalte sehr positiv überrascht. Ich freue mich, dass es solche Art von Unterhaltung gibt.

2 Comments

  1. Antworten
    ina 20. November 2015

    Liebe Laura,
    ist es denn mittlerweile eher konventionell, unkonventionell oder doch einfach nur Geschmackssache, dass ich zuerst den Marsianer lesen möchte, bevor ich ihn sehe?

    Netter Artikel, danke :)
    Ina

    • Antworten
      Laura 17. August 2016

      Hallo Ina,
      Das Buch soll echt gut sein. Ich glaube, es lohnt sich, ihn erst zu lesen. Habe ne Rezension im Radio gehört damals, und man hat den Film als etwas sehr “naiv-technik-gläubig” beschrieben.
      LG,
      Laura

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