#8 Suche ein Foto und beschreibe, was außerhalb des Bildes geschieht.

Liebe Freunde, es ist schon über eine Woche, dass ich diese Challenge angefangen habe – und es macht wirklich Spaß! Ich hoffe, ich habe vielen auch Lust gemacht bisher, zu schreiben. Es hat mir jedenfalls viel Freude gemacht, die kleinen Diskussionen auf Facebook mitzuverfolgen.

Hier nun also der Text zu Tag 8. Prompts gibts wie immer unter https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/.


170522IslasCanarias

Quelle: https://www.google.de/search?q=islas+canarias&source=lnms&tbm=isch&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiOzOGal4TUAhWDFiwKHbzGCDIQ_AUIBygC&biw=1366&bih=614#q=islas+canarias&tbm=isch&tbs=sur:fc&imgrc=CxD309Ev1lD6vM:

Und da steht er, am Rand des Hochplateaus und reckt den linken Arm in die Luft – ich drücke auf den Auslöser. Es geht 1000 m abwärtes neben ihm und soweit die Kameralinse reicht, nur kahles Gebirge. Wir sind auf den Kanarischen Inseln und verbringen unseren ersten gemeinsamen Urlaub. Wir haben uns im Internet kennengelernt. Nachdem wir während eines halben Jahres schon zärtliche Nachrichten ausgetauscht hatten, fasste ich mir ein Herz und fragte, ob er mit mir in den Urlaub fliegen wollte – ich würde für alle Kosten aufkommen, so versicherte ich ihm. Er zögerte, zunächst für einige Woche, was mich in tiefe Unsicherheit stürzte. Er war so ein lieber, ruhiger Junge und ich hatte schon ein wenig damit gerechnet, dass er nicht sofort auf meinen Vorschlag anspringen würde. Andererseits schrieb er mir gerade zu der Zeit so viele Nachrichten, in denen er sich mir so offen und verwundbar zeigte – seinem Land, so laß ich es in der nationalen und internationalen Presse, ging es damals sehr schlecht. Ich wurde allerdings irgendwann etwas ungeduldig – die Preise der Flüge stiegen und wir mussten ja auch irgendwann das Visum für ihn beantragen. Für mich als Europäer stand diese Frage nicht zur Debatte.

Schließlich sagte er ja.

Ich erinnere mich an die Erleichterung, die ich gespürt hatte, als ich seine E-Mail mit der Zusage laß. Schnell buchte ich den Urlaub und antwortete ihm mit klopfendem Herzen, wie froh es micht machte, das zu hören.

N kommt zurück

von dem Felsvorsprung, auf dem ich ihn fotografiert habe, und fragt: Ist es gut geworden? Ich nicke und zeige ihm das Foto. Ich schicke es ihm auf sein Handy. Er ist beeindruckt.

Das ist ja echt gut geworden, sagt er.

Ich sehe später auf seinem Instagram-Profil, dass er es noch in diesem Moment hochlud.

N, sage ich zu ihm, als wir an dem Abend wieder gemeinsam im Hotelzimmer liegen. Wir genießen die Zeit zusammen so sehr und wir haben sofort gemerkt, wie sehr wir uns mögen – Warum hast du so lange gezögert, mit mir in den Urlaub zu fahren?

Ns Körper spannt sich an, die Bettdecke raschelt. Er fragt mich, ob ich mich daran erinnere, dass er mir einmal erzählt hatte, dass er vor drei Jahren schon in Deutschland gewesen war. Ich nicke. Ja, sage ich.

Ich wurde damals auch eingeladen, fährt er fort. Er war Deutscher und es schien zu Beginn auch alles total harmonisch, wie bei uns. Aber ziemlich schnell nachdem ich bei ihm zu Hause war, stelle sich die ganze Aktion als Katastrophe heraus. Er schimpfte mit mir, schrie mich an, ich sollte mein eigenes Geld verdienen – und das, obwohl er zunächst behauptet hatte, ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich wollte einfach nur Deutschland kennen lernen – Deutschland ist wirklich so cool! Und ich dachte echt, der Typ meint es ernst.

Jetzt zittert seine Stimme. Ich widersetze mich dem Drang, ihn in den Arm nehmen zu wollen.

Am Ende landete ich auf der Straße, nachdem er mir Gewalt angedroht hatte.

Wir schweigen eine Weile. Ich habe so eine Story oder ähnliche schon öfters gehört, in unseren Kreisen kamen sie leider öfter vor, als einem lieb sein mochte.

Was ist dann passiert?, frage ich.

In der Stadt, wo ich damals war, gibt es einen Verein von und für Migranten. Sie haben mich unterstützt, eine Bleibe gesucht, etc. Die Zeit, die dann kam, war unglaublich anstrengend, aber auch ziemlich lehrreich für mich.

Ich spüre, wie N sich langsam wieder entspannt.

Aber genug der Vergangenheit, ordnet er jetzt an.

Ich erzähle dir morgen mehr davon, aber jetzt…

Er kam mir näher und ich roch ihn, verschwommen zwischen Meeresluft, Aftershave und dem frischen Laken.

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