5. September: Freude steigt auf. [Tagebuch nach Zitaten von Dr. Dr. David R. Hawkins]

Freude steigt aus jedem Augenblick der Existenz auf und kommt nicht aus irgendeiner äußeren Quelle.

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Da saust mir gleich dieser Gedanken um die Ohren: Das ist zu krass. Das ist unglaublich. Wie kann es nicht daran liegen, dass ich gerade mit meinem Liebsten kuschele, wenn ich mich freue und ich glücklich bin? Oder ist das eine andere Art des Glücks? Oder gab es auch schon Momente, in denen ich mit ihm gekuschelt habe, und ich nicht glücklich war? Ich glaube, diese letzte Frage bringt uns auf die richtige Spur. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass Freude unmittelbar direkt und notwendigerweise mit äußeren Dingen verbunden ist (das eigene Haus, das neue Auto, die neuen Klamotten, aber auch das neue Buch, der neue Yoga-Kurs, der Sonnenschein, die Beziehung, die “gut” läuft… ), dann müssten sie uns zwingend jedes Mal, wenn wir uns mit ihnen konfrontieren, glücklich machen. Dass dies nicht der Fall ist, sagt uns die Erfahrung – wir könnten ja einfach stets bei einer “Quelle” des Glücks bleiben (ich in diesem Fall wäre heute früh einfach im Bett geblieben und hätte nicht angefangen zu schreiben ;)). Wer macht das schon? Drogensüchtige. Wie endet das? Entweder, sie verlassen diese “Quelle” früher oder später wieder – oder es gibt eine Katastrophe.

Bei dem Beispiel mit dem Haus fällt mir auf, dass manche gesellschaftlichen Konstrukte sogar dazu geschaffen worden sein können, dass wir nie glücklich werden. Ein Bausparvertrag ist eine Sache auf Lebenszeit; an einem Haus zahlst du dein Leben lang Kredit – du wirst vielleicht wirklich glücklicher sein, wenn du dich nicht mehr mit den rockmusik-affinen Nachbarn rumschlage musst und deine Kinder auf dem Rasen spielen können. Aber wie lange hält dieses Glück? Was muss kommen, dass du dich wieder ärgerst wie früher, dass du dich entmutigt fühlst und traurig?

Das Beispiel mit dem Haus funktioniert natürlich auch anders herum. Ich kenne eine brasilianische Universitätsdozentin, eine hart arbeitende, liebevolle und gütige Frau, die sich ein Herz genommen hat und ein Haus gebaut hat. Heute empfängt sie dort ihre Stundenten, die zum Teil aus indigenen Siedlungen im amazonischen Regenwald anreisen und auf eine geschützte Unterkunft angewiesen sind. Ich kann mir vorstellen, dass die Hingabe dieser Dame, sich selbst, ihren Kindern und ihren Studenten Raum zu geben, um zu lernen, zu wachsen, und sich aufgehoben zu fühlen, dazu geführt haben, dass dieses Haus wie eine Kirche wirkt – sie plant sogar schon eine Trauung in ihrem hellen, weitläuftigen Wohnzimmer vorzunehmen.

Also, wir sind wieder bei der Motivation. Hawkins weist uns darauf hin, dass die Freude aus der Existenz kommt – darauf können wir uns besinnen, wenn wir mal wieder dem Mangel vermeintlich ins Gesicht schauen und alles um uns verfluchen, wie wir denn jemals in diese schreckliche Situation gelangen konnten. Wir sind genau deshalb unglücklich, weil wir der Existenz [dem, was gerade ist] die Möglichkeit versagen, uns glücklich zu machen.

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Die Veröffentlichung, mit der ich hier arbeite heißt “Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen”. Sie enthält ein Zitat von David Hawkins pro Tag. Ich arbeite mit der deutschen Ausgabe:

Hawkins, David R, and Scott Jeffrey. Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen. Wasserburg/Inn: Sheema-Verl., 2012.

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