Monthly Archives: September 2017

Tagebuch nach Zitaten von Richard Hawkins 7.+8.9.: die und Angst und die Integrität

  1. September:

Angst selbst schließt das Gewahrwerden der Gegenwart Gottes aus. Nur wenn die Angst aufgegeben wurde, offenbart die Übergabe des resistenten Egos einen Frieden jenseits des Verstehens.

Hawkins schreibt hier, dass wir Angst aufgeben können. Das heißt, für ihn ist es eine bewusste Entscheidung, ja sogar eine anzutrainierende Gewohnheit, keine Angst zu haben. Es ist freilich utopisch, von einen Tag auf den anderen entscheiden zu wollen, ab jetzt keine Angst mehr haben zu wollen. Das wird nicht funktionieren. Aber wir können uns darauf konzentrieren, uns mehr und mehr darauf zu konzentrieren, zu verstehen, warum wir Angst haben.  Was bedeutet Angst? Angst ist die Ablehnung einer Situation, wie sie gerade ist. Angst sagt, dass ich mich als verletzlich und schutzbedürftig wahrnehme. Aber warum tue ich das an einem bestimmten Tag in einer bestimmten Situation, und in genau der gleichen Situation an einem anderen Tag nicht?

 8. September

Kraft kommt von Integrität und der Akzeptanz von Verantwortung für die Konseqzenzen der eigenen Handlungen, Wahlen und Entscheidungen. Alle Wahlen tragen Risiken in sich und wenn man so tut, als sei das nicht so, ist man nicht integer und spielt stattdessen, um zu gewinnen.

Nichts ist unglaubwürdiger als eine Werbung, die dir das Blaue vom Himmel verspricht. Letztens habe ich eine Werbung auf Facebook gesehen, da wurde damit geworben, dass man mit einer bestimmten Form von Coaching lernt, wie man “alles unter Kontrolle hat, weil man nichts dem Zufall überlässt”. Ehrlich gesagt ist mir schlecht geworden, als ich das gelesen habe. Ich habe nichts unter Kontrolle. Ich kann schauen, was ich tun kann, um eine gewisse Haltung zu erreichen, damit ich mich dem Leben nicht vollkommen ausgeliefert fühlen muss. Aber mir vorstellen, dass ich alles unter Kontrolle haben muss, um erfolgreich und zufrieden zu sein, das halte ich für absurd.

Tagebuch nach Zitaten von David Hawkins. 6. September: Der innere Friede und die Werte

Innerer Friede kommt aus Übergabe sowohl von Anziehungen als auch von Abgneigungen. Was man als Werte wahrnimmt, sind hauptsächlich Projektionen von “Erwünschtem” und “Nicht-Erwünschtem”. Je seltenere solche “Wünsche”, desto größer die Leichtigkeit und Zufriedenheit des Lebens.

—————————————–

Es ist Wahlkampf in Deutschland. Manche Politiker machen explizit Werbung für sich, indem sie alle Bewohner dieses Landes dazu aufrufen, sich auf gemeinsame Werte zu besinnen. Während ich nachvollziehen kann, dass es Konsens geben muss in einer Ansammlung von Menschen, dass man sich gegenseitig nicht an die Gurgel geht, finde ich die “Leitkultur”-Debatte, wie sie z.T. geführt wird, unsinning. Hawkins sagt hier, dass jede Ansammlung von Werten Projektionen sind – es ist also willkürlich, welche Inhaltsstoffe ich in meine Leitkultur-Suppe kippe. In diesem Fall geht es nur um Ausgrenzung und um Gleichmacherei. Wer so etwas propagiert, der hat vielleicht nie über den eigenen Tellerrand geschaut und weiß gar nicht, wie befreiend und konflikt-mindernd die Auseinandersetzung mit fremden Ansichten und Haltungen das für unsere Seele – und im weitesten Sinne für unsere Gesellschaft – sein kann.

Ich merke diese kognitive Dissonanz, wenn sie aufpoppt, oft genug mit Menschen, die aus einem anderen Land als Deutschland kommen und z.B. nicht denken, dass man sich auf öffentlichen Plätzen auf jeden Fall ruhig und unauffällig verhalten soll. Dass man sich so und so kleiden soll. Dass nur jemand, der diese und jene  Kriterien erfüllt, auch für solche und solche Aufgaben geeignet ist.

Ich denke, dass wir dieses Zitat völlig unaufgeregt hinnehmen können, wenn wir es einfach nur auf unser eigenes Leben anwenden: Mit welchen Werten identifiziere ich mich? Warum sind sie mir so heilig? Geht es mir gut, wenn ich sie verteidige, oder wird es anstrengend und verliere ich meine Mitte dabei?

—————————————–

Die Veröffentlichung, mit der ich hier arbeite heißt “Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen”. Sie enthält ein Zitat von David Hawkins pro Tag. Ich arbeite mit der deutschen Ausgabe:

Hawkins, David R, and Scott Jeffrey. Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen. Wasserburg/Inn: Sheema-Verl., 2012.

5. September: Freude steigt auf. [Tagebuch nach Zitaten von Dr. Dr. David R. Hawkins]

Freude steigt aus jedem Augenblick der Existenz auf und kommt nicht aus irgendeiner äußeren Quelle.

—————–

Da saust mir gleich dieser Gedanken um die Ohren: Das ist zu krass. Das ist unglaublich. Wie kann es nicht daran liegen, dass ich gerade mit meinem Liebsten kuschele, wenn ich mich freue und ich glücklich bin? Oder ist das eine andere Art des Glücks? Oder gab es auch schon Momente, in denen ich mit ihm gekuschelt habe, und ich nicht glücklich war? Ich glaube, diese letzte Frage bringt uns auf die richtige Spur. Wenn es tatsächlich so sein sollte, dass Freude unmittelbar direkt und notwendigerweise mit äußeren Dingen verbunden ist (das eigene Haus, das neue Auto, die neuen Klamotten, aber auch das neue Buch, der neue Yoga-Kurs, der Sonnenschein, die Beziehung, die “gut” läuft… ), dann müssten sie uns zwingend jedes Mal, wenn wir uns mit ihnen konfrontieren, glücklich machen. Dass dies nicht der Fall ist, sagt uns die Erfahrung – wir könnten ja einfach stets bei einer “Quelle” des Glücks bleiben (ich in diesem Fall wäre heute früh einfach im Bett geblieben und hätte nicht angefangen zu schreiben ;)). Wer macht das schon? Drogensüchtige. Wie endet das? Entweder, sie verlassen diese “Quelle” früher oder später wieder – oder es gibt eine Katastrophe.

Bei dem Beispiel mit dem Haus fällt mir auf, dass manche gesellschaftlichen Konstrukte sogar dazu geschaffen worden sein können, dass wir nie glücklich werden. Ein Bausparvertrag ist eine Sache auf Lebenszeit; an einem Haus zahlst du dein Leben lang Kredit – du wirst vielleicht wirklich glücklicher sein, wenn du dich nicht mehr mit den rockmusik-affinen Nachbarn rumschlage musst und deine Kinder auf dem Rasen spielen können. Aber wie lange hält dieses Glück? Was muss kommen, dass du dich wieder ärgerst wie früher, dass du dich entmutigt fühlst und traurig?

Das Beispiel mit dem Haus funktioniert natürlich auch anders herum. Ich kenne eine brasilianische Universitätsdozentin, eine hart arbeitende, liebevolle und gütige Frau, die sich ein Herz genommen hat und ein Haus gebaut hat. Heute empfängt sie dort ihre Stundenten, die zum Teil aus indigenen Siedlungen im amazonischen Regenwald anreisen und auf eine geschützte Unterkunft angewiesen sind. Ich kann mir vorstellen, dass die Hingabe dieser Dame, sich selbst, ihren Kindern und ihren Studenten Raum zu geben, um zu lernen, zu wachsen, und sich aufgehoben zu fühlen, dazu geführt haben, dass dieses Haus wie eine Kirche wirkt – sie plant sogar schon eine Trauung in ihrem hellen, weitläuftigen Wohnzimmer vorzunehmen.

Also, wir sind wieder bei der Motivation. Hawkins weist uns darauf hin, dass die Freude aus der Existenz kommt – darauf können wir uns besinnen, wenn wir mal wieder dem Mangel vermeintlich ins Gesicht schauen und alles um uns verfluchen, wie wir denn jemals in diese schreckliche Situation gelangen konnten. Wir sind genau deshalb unglücklich, weil wir der Existenz [dem, was gerade ist] die Möglichkeit versagen, uns glücklich zu machen.

—————-

Die Veröffentlichung, mit der ich hier arbeite heißt “Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen”. Sie enthält ein Zitat von David Hawkins pro Tag. Ich arbeite mit der deutschen Ausgabe:

Hawkins, David R, and Scott Jeffrey. Entlang des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen. Wasserburg/Inn: Sheema-Verl., 2012.

4. September: Die Quelle des Vergnügens sprudelt innen.

Der wahre Urpsrung von Freude und Glück ist die Verwirklichung der eigenen Existenz in gerade diesem Moment. Die Quelle des Vergnügens sprudelt innen, auch wenn sie manchmal durch ein äußeres Ereignis oder eine Erwerbung angestoßen wird. In jedem einzelnen Augenblick der Zeit kann so etwas wie ein Problem nicht existieren. Unglück entsteht, wenn man aus der Realität des Jetzt hinausgeht und aus Vergangenheit oder Zukunft eine Geschichte erschafft, die keine Realität hat, da beides nicht existiert.

———

Ich denke, da ist viel dran. In dem Moment, wo ich mich von “mir” bzw. meine Bedürfnissen und meiner Lebensrealität entferne, dann werde ich unglücklich. Das ist die ganze Kunst des Unglücklichseins – finde immer das, was noch fehlt. Suche immer etwas, das falsch ist. Dann wirst du Hundertprozentig unglücklich darüber. Diesbezüglich lege  ich auch jedem die Lektüre der “Anleitung zum Unglücklichsein” von Paul Watzlawick nahe.

Das Unglücklichsein hat – neben dem tatsächlichen Nachteil, unglücklich zu sein – noch einen weiteren Haken: In dem Moment, wo wir unglücklich sind, wo wir uns Sorgen machen und auf der Stelle treten, tun wir nichts dafür, in der Zukunft wieder glücklich zu werden.

[Entlange des Pfades zur Erleuchtung – 365 tägliche Betrachtungen] 3. September

Frieden ist wirklich eine Wahl und eine Entscheidung, obwohl diese in unserer heutigen Gesellschaft trotz aller Rhetorik über den Begriff nicht populär sind. Die Entscheidung, die scheinbaren Ungerechtigkeiten des Lebens zu übersehen, anstatt auf sie zu reagieren, beruht auf Wahl.

 

Hawkins sagt uns hier tatsächlich, dass wir Ungerechtigkeiten übersehen sollen. Und er sagt sogar auch noch, dass diese Ungerechtigkeiten, die wir in der Welt sehen, tatsächlich nur scheinbar ungerecht sind. Kurz, er sagt, es gibt keine Ungerechtigkeit auf der Welt. Da muss ich gedanklich ersteinmal schlucken. Aber wenn ich den Gedanken weiterführe, dann scheint er mir plötzlich beruhigend und noch viel mehr: Er erscheint mir befreiend. Wenn es keine Ungerechtigkeiten auf dieser Welt gibt, worüber muss ich mich dann noch aufregen? Und in was für einem Geisteszustand befinde  ich mich, wenn ich micht nicht aufrege? Ich bin friedlich, begegne  allem, was geschieht, mit einem offenen Herzen und höre auf, irgendetwas verbessern zu wollen.

 

Dieser letzte Punkt scheint mir zentral. Er ist mir bei zwei US-amerikanischen Persönlichkeiten – den Schöpfer der “Gewalfreien Kommunikation”, Marshall B. Rosenberg, und die Schriftstellerin Elizabeth Gilbert –  in diesem Jahr schon begegnet, und ich merke auch, dass diese Haltung in meiner Beziehung zu meinem Partner oft zentral für ein schönes, oder zumindest für beide Seiten bisweilen erträgliches ;), Zusammenleben ist. Es geht darum, den anderen oder irgendeine Situation nicht verbessern zu wollen. Davon auszugehen, dass der andere und die Situation, wie sie ist, schon ok ist, wie sie ist. Rosenberg beschreibt dieses Phänomen in seinem

“Nonviolent Communication Training Course” (einem 9-stündigen Einführungsvideo zur GFK) so: Wir müssen uns davor hüten, eine Situation oder eine Person “retten” zu wollen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Es gibt eine Energie, sagt er, die diese Heilung vollbringt. Diese Energie ist ständig da, und wir müssen sie einfach nur machen lassen. Elizabeth Gilbert, die vielen vor allem als Autorin des Beststellers “Eat Pray Love” bekannt ist (ich empfehle den gleichnamigen Film nicht, ohne vorher das Buch gelesen zu haben), schreibt in “Big Magic” (das ich durchaus empfehle ;)), dass wir als kreative Menschen – und gerade als Schriftsteller – nicht glauben sollen, dass wir mit unserem Schaffen irgendjemanden retten oder auch nur helfen können. De facto, sagt sie, sei das die völlig falsche Strategie. Ich stimme dem zu und sage: Das ist die falsche Strategie, weil sie auf Mangel-Denken beruht. Ich projiziere das Ungenügen, das sich bei meinem Blick in mein eigenes Innere auftut, nach außen und meine plötzlich, das Außen sei hilfsbedürftig und krank. Der daraus entstehende Aktionismus, der sich meiner Meinung auch bei aggressiven Tierschützern, Missionaren oder sonstigen “Welt-Rettern” beobachten lässt, versprüht dann genau diesen Geist, aus dem er geboren wurde: Mangel-Denken. Wer fühlt sich schon inspiriert und lebendig bei einer Person, die ständig dabei ist, die Welt zu retten?

Hawkins sagt hier also, dass auch gut gemeinte Welt-Verbesserung das Gegenteil dessen bewirken kann, das sie verursachen soll, wenn sie nicht aus dem Geist der Fülle und dem Beitragen-Wollens heraus vollbracht wird. Ich muss mich zuerst dafür entscheiden, Frieden zu sehen. Dann kann ich handeln. (siehe auch Lektion 34 in “Ein Kurs in Wundern”)

 

 

—————

Quellenangaben:

Foundation for Inner Peace: “A Course in Miracles”, Foundation for Inner Peace, Mill Valley (2007[1976]).

Gilbert, Elizabeth: “Eat Pray Love”, Penguien-Group, New York (2006).

Gilbert, Elizabeth: “Big Magic”, Riverhead Books, New York (2015).

Murphy, Ryan (2010): “Eat Pray Love”, 140 min.

Rosenberg, Marshall B. + Center for Non-Violent Communication: “Nonviolent Communication Training Course”. Online-Ressource: https://www.youtube.com/watch?v=O4tUVqsjQ2I.

 

Die Hawkins-Challenge: 2. September

2. September

Was die Menschen in der Welt wirklich wollen, ist die Erkenntnis, wer sie auf der höchsten Ebene tatsächlich sind. Sie möchten sehen, dass dasselbe Selbst gleichermaßen aus dem Innersten eines jeden hervorscheint, ihre Gefühle von Getrenntheit heilt und sie in ein Gefühl von Frieden versetzt.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da habe ich daran gezweifelt, dass das, was ich für mich als richtig und wichtig erkannt habe, auch notwendigerweise für andere richtig und wichtig sein muss. Doch jedes Mal, wenn ich von diesem Gedanken Abstand genommen habe – nämlich dem, dass es etwas gibt im Leben, dass allen Menschen gleichermaßen zu Wachstum, Friede und Freiheit verhilft – , dann endete das in Depressionen. Eine linksliberale Welt will verhindern, dass Menschen Vorschriften gemacht werden, wie sie ihr Leben zu gestalten haben. Gleichzeitig löst sie auch sie Wegmarken immer mehr auf, die den Mensch darauf hinweisen, was wichtig ist, um ein glückliches Leben zu führen. Ich haben diese linksliberale “Anything-goes”-Haltung während meines Studiums verinnerlicht, und ich muss sagen, ich bin nicht gerade gut gefahren damit. Allerdings – vielleicht ist diese Haltung auch ein notwendiger Schritt bevor ich erkenne, dass es doch Regeln gibt – also muss ich zunächst einmal bewusst die Existenz von Regeln verneinen, bevor ich irgendwelche Regeln als für mich gültig anerkennen kann.

 

Es ist auch interessant, allen Menschen die gleiche Handlungsabsicht zu unterstellen, wie Hawkins es hier tut. Und diese Handlungsabsicht ist der Wunsch nach Einheit – the urge for unity. Das heißt, dass das, was alle Menschen tun, aus diesem Wunsch heraus getan wird. Es scheint nur nicht immer zu funktionieren. Oder warum lassen die Leute die Hundehaufen ihrer Vierbeiner auf der Straße liegen? Warum beklage ich mich darüber?

#30: Beschreibe deinen Tag in vier Szenen

170901VierSzenen

Übung von Lynda Barry.

—————————————

Dies ist die letzte Übung von Aniko Villalbas Challenge “30díasdeescribirme“. Danke an alle fürs Folgen. Ich freue mich über eure Kommentare. Die Einträge werde ich voraussichtlich nächste Woche alle auf dem Blog gesondert speichern. Denn: Ich brauche Platz! Diese Challenge hat mich dazu inspiriert, das regelmäßig Schreiben und Hochladen fortzuführen. Ich habe dazu auch schon ein Thema gefunden und die ersten beiden Einträge stehen schon. Lasst euch überraschen :).