Monthly Archives: Mai 2017

#12: Suche dir einen Gegenstand aus deiner Wohnung aus. Beschreibe seine Geschichte.

Es ist schön, diese Übungen zu machen. Noch schöner, auch mal zu pausieren. Deshalb folgt Tag 12 heute, zwei Tage nach Tag 13, die Geschicht eines Gegenstandes in meiner Wohnung.


 

20170531_RegalgeschichteDie goldene Färbung deines Holzes verrät nicht dein Altern. Du stehst zwischen Bruder Tisch und Schwester Schrank, beladen mit Büchern und Zetteln. Du kamst in mein Leben, als ich gerade neu in der Stadt eingezogen war und noch nach einem geeigneten Platz für meine Bücher suchte. Deine große Schwester, die dir schräg gegenüber an der anderen Wand steht, war bereits da, als du ankamst. Ich fand dich auf den Ebay-Kleinanzeigen. Ich fuhr bis den Süden der Stadt mit der Straßenbahn, um dich abzuholen. Du bist gut einen halben Meter lang und etwas weniger hoch. Du bestehte aus vier Brettern, die hochkant stehenden sind nach oben hin abgerundet.

Zunächst stellte ich dich in die hinterste Ecke auf den Fußboden, dort staubten alle Bücher auf dir ein und ich versuchte, dir im Bad Platz zu erschaffen. Doch da brauchtest du zu viel Platz und ich beschloss wieder, dass dies nicht der geeignete Ort für dich war.

In der Zwischenzeit beschäftigte ich mich viel mit Meditation, Religion und vor allem: meinen eigenen Gedanken. Ich stelle das Zimmer um, wie es sich in meinem Leben bisher als zuverlässigen Indikator des inneren Wandels bewiesen hatte, und so hast auch du wieder den Platz gewechselt. Du standest dann nämlich für eine ganze Weile im Eingangsbereich der Wohnung. Ich trug dir auf, meine wertvollsten Bücher zu tragen, und fand es hinreißend, in die Wohnung zu kommen und das vollgestellte Bücherregal zu sehen. Bald sortierte ich auch die Bücher neu (nach Art – Sachbuch, Roman, und Thema); was meine Zufriedenheit jeweils erhöhte.

Bis der nächste Wind des Wandels anstand und ich zwei weitere Möbelstücke ins Haus bekam – einen noch größeren Bruder deinerseits, aus dunklem Holz, und einen großen weißen Schuhschrank, der heute deinen Platz im Eingang einnimmt.

Du stehst seither auf dem Schreibtisch und trägst weiterhin Bücher. Da stehen weiterhin ein paar weniger, dafür sind Locher, Zettelhalter und Unterlagenkartons hinzugekommen. So sehe ich dich heute jeden Tag.

 

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Alle Prompts sind zu finden unter https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/

# 14: Beschreibe ein Ereignis deines Lebens von hinten nach vorne

Der heutige Prompt ist etwas kürzer. Vielleicht umso effektvoller.


Daniel und ich stehen im Wohnzimmer der Ferienwohnung, tropfnass alle beide. Wir überqueren die Terrasse und gehen zurück zum Swimmingpool. Die das Wasser auf unserer Haut vermehrt sich. Beim Pool angekommen, steigen wir über die Treppenstufen am unteren Ende ins Wasser. Ich nehme ihn in meine Arme. Ich schwimme mit ihm bis zur linken Ecke des Beckens, er beginnt zu prusten und zu paddeln. Ich klettere über den Beckenrand aus dem Wasser und sehe ihn, wie er da paddelt. Ich gehe um den Pool herum und beobachte ihn von dieser Seite aus. Ich wende mich dem Grill der Ferienwohnung zu, und hören einen Ruf und ein platschen. Ich drehe mich nochmal zum Pool und sehe, wie Daniel dort mit seinem Plastikbagger spielt.

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/FreeGreatPicture.com-30424-swimming-pool.jpg

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Der Prompt ist zu finden unter https://www.escribir.me/dia-14-escribi-un-evento-de-atras-para-adelante/

Bildquelle: Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/b/b5/FreeGreatPicture.com-30424-swimming-pool.jpg

#13: Schreibe einen Brief an ein Ich aus der Vergangenheit

Es wird wirklich persönlich. Während der letzten eineinhalb Wochen habe ich aus den verschiedensten Ecken und Ende gehört, dass Menschen meinen Blog lesen. So ist das mit den Internet-Dingen. Wir denken intuitiv, dass die Dinge, die wir im Internet tun, erst einmal nichts mit dem “Ich” des Analoglebens zu tun haben. Wer den Schritt geht, intime Gedanken zu veröffentlichen auf einer eigenen Website, die rechtsgemäß ein Impressum besitzt, der verliert diese Schutzschicht. Das macht ein bisschen Angst – und richtig fühlt es sich dennoch an. Andere Autoren und Bloggern, die ich für authentisch halte (wie etwa Aniko Villalba, oder Hernán Casciari), haben gemeinsam, dass sie mir immer dann besonders gut gefallen, wenn sie persönlich werden. Und auch der mexikanische Schriftsteller, den ich deswegen befragte, bestätigte dies mir: Ja, Laura, antwortete er auf meine Frage, ob man denn sehr persönlich sein müsse, wenn man Schrifsteller werden möchte, ja, man muss wirklich wirklich SEHR persönlich sein.

Also, ich habe euch gewarnt. Hier der Text.


Liebe Zwölfjährige Laura,

Du bist eine ganz schön coole Socke. Ich mag es, wie du deinen eigenen Weg gehst und wie du neugierig bist auf die Welt. Ich mag es, wie du in die Natur gehst und dort mit dir selbst spielst – wie du dich von der Umgebung inspirieren lässt und wie du so ganz versunken deinen Gedanken nachgehst. Ich mag es, wie du auf Bäume kletterst und wie du Stunden im Wasser verbringst, am liebsten tauchend, im Swimming-Pool der Ferienwohnung oder im Freibad. Ich mag, wie du in die Welt hinausstürmst und dich von ihr beschenken lässt. Ich mag die Kleider, die du aussuchst – knallbunt und bequem.

Ein paar Sachen mag ich auch nicht an dir. Ich mag nicht, wie du manchmal mit deinen Freundinnen umgehst. Wie du dich manchmal so sehr in deine Gedankenwelt vertiefst, dass du eine Verabredung verpasst und dass du manchmal froh bist, wenn du wieder alleine bist – sie sind deine Freundinnen und du solltest froh sein, sie zu haben.

Ich weiß aber auch, dass du keine Lust hast, dich zu verstellen und dass du manchmal immer noch Angst hast, unter fremde Leute zu gehen und dich unter ihnen zurechtzufinden. Doch da möchte ich dich ermutigen – trau‘ dir etwas zu! Nimm dir zu Herzen, dass du anderen wichtig bist und dass jeder Schritt auf fremde Leute zu, ein Schritt hin zum Leben hin ist, nach dem du dich so sehr sehnst. Ich weiß, dass du das Leben am liebsten in deiner Traumwelt leben würdest, aber ich, als dein 28-jähriges Ich, sage dir, dass du so nicht glücklich wirst. Deine geistigen und emotionalen Fähigkeiten werden genauso wachsen wie deine geistigen und emotionalen Bedürfnisse. Du wirst weiterhin die Menschen mit deiner Kreativität, deiner Auffassungsgabe und deinem Dickkopf beeindrucken. Du wirst aber auch ihre Gemeinschaft vermissen, wenn du drei Stunden zu lange mit Träumen verbracht hast und die ersten Mädchen deiner Klasse mit Jungs gehen werden. Du wirst die Menschen vermissen, wenn du während der Abi-Zeit Angst hast, auf Partys zu gehen und dich immer noch hinter deiner Schüchternheit versteckst. Du kannst deine Schüchternheit nicht loswerden, indem du zu Hause bleibst.

Dass du in ein paar Jahren zur Theater-AG gehen wirst, das ist super. Dass du zur Zeit noch am liebsten draußen Ball spielst oder Fahrrad fährst, tut dir auch gut. Aber vergiss in deiner Wildheit nicht deine sanfte, verletzliche Seite. Lerne es besser jetzt als später, dass keiner Perfektion lieben, sondern sie immer nur bewundern kann. Ich weiß, dass du weißt, dass deine Intelligenz und Kreativität dir ein paar Bewunderer einbringen – aber warum zeigst du deinen Freunden oder deiner Familie nicht auch deine Ängste? Glaub mir – Nähe entsteht nicht durch Perfektion, sondern durch Verletzlichkeit. Ich weiß, du möchtest das nicht hören. Du möchtest weiter nach vorne rasen und die Welt verschlingen. Ich weiß aber auch, dass du in den nächsten Jahren spüren wirst, dass die Welt nicht immer nach deiner Pfeife tanzt und dass du mit dieser Einbildung auf die Nase fallen wirst. Deswegen: Liebe zwölfjährige Laura, sei ein bisschen netter zu dir selbst. Bitte Mitschüler um Hilfe, die du arrogant findest. Trau dich zuzugeben, dass du auch Deutsch und Rechtschreibung nicht perfekt kannst. Sei offen mit deinen Gefühlen und gönne anderen ihren Erfolg. Du wirst zunächst denken, du verlierst etwas – aber ich weiß, meine Liebe, dass nur diejenigen etwas gewinnen, die sich nicht zu schade sind, zu geben.

Von Herzen,

Deine 28-jährige Laura.

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(Dieser Beitrag ist Teil des Projekts “30 días de escribirme” – 30 Tage an mich selbst schreiben. Alle Prompts findet ihr hier: https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/ )

#11 Ich erinnere mich…

Bild_Garten_HuehnlesgasseIch erinnere mich an den Weg zum Kindergarten, wie ich im Wengele Blumen pflückte, das heutzutage schon ein für Autos ausgebauter Weg ist.

Ich erinnere mich wie ich auch aus fremder Leute Garten Blumen gepflückt habe und es schön fand, den Sträußen, die entstanden, ein bestimmtes Thema zu geben.

Ich erinnere mich, wie ich mich mit Anfang 20 wieder an diese Eigenschaft erinnerte und wie ich wieder mit Freude begann, auf der Straße Blumen zu pflücken: Löwenzahn, Gänseblümchen, Hahnenfuß…

Ich erinnere mich, wie wir im Kindergarten übernachtet haben und alle Kinder eine kleine Wasserspritze in Form eines Gummitieres geschenkt bekommen haben, und wie ich die Form eines Affens bekam, mit der Begründung meiner Kindergärtnerin Pam „Weil Laura ja selbst manchmal ein kleines Äffle ist“ und wie ich kein Äffle sein wollte und wie ich das Äffchen gegen ein Seepferdchen getauscht habe.

Ich erinnere mich wie ich mit meiner Kindergartenfreundin Lola Barbiepuppen gespielt habe  – Arielle die Meerjungfrau – Frechdachs, der Meerjunge. Ich erinnere mich, wie ich immer Frechdachs spielen sollte und wie ich das albern fand.

Ich erinnere mich wie ich während der Zeit, als ich die Kurs-in-Wundern-Übungen zum ersten Mal machte an diese Episode dachte und meine gesamte sexuelle Orientierung in Frage stellte.

Ich erinnere mich, wie ich dieses in-Frage-Stellen mit einem einfachen Gedankenprotokoll aufheben konnte.

Ich erinnere mich, wie ich bei dieser Freundin Lola immer gerne mit den Plastiksteckperlen Muster legen wollte, und nicht draußen mit den anderen herumtoben.

Ich erinnere mich, dass ich auch draußen herumtobte, aber dass, wenn man mir die Wahl ließ, ich immer die Steckperlen gewählt hätte.

Ich erinnere mich, dass diese Kindergarten- und Grundschulfreundschaft zu Lola sich ab dem Gymnasium in Luft aufzulösen begann.

Ich erinnere mich, dass gegen Ende des Gymnasiums ich die meiste Zeit mit Jana und Jolanda verbrachte, dass wir viel Auto fuhren und dass die Zeit im Nachhinein ziemlich magisch war.

Ich erinnere mich, dass die Abizeit eine Zeit des Lernens und des Vorwärtskommens war.

Ich erinnere mich, dass die Abizeit sich anfühlte wie ein dichter Sog, dem ich mich freudig hingab.

Ich erinnere mich an die Schaukel im Garten meiner Eltern und wie ich mit meinem Klassenkameraden aus der Grundschule (heute würde ich sagen: Freund) auf dieser Schaukel saß und wir uns wunderbar darüber unterhalten konnten, wie wir beide die Angewohnheit hatten, immer sehr schnell zu reden, wenn wir aufgeregt waren.

Ich erinnere mich, dass dieser Jung erst im dritten oder vierten Schuljahr zu uns kam und dass er aus Sachsen kam und dass wir uns alle über ihn lustig machten wegen seines Namens – Robby Werktag – und wegen seines säschsischen Akzentes natürlich.

Ich erinnere mich daran, wie wir in der Mittagschule im Fach „Textiles Werken“ stickten und strickten und häkelten und wie dazu Lieder sangen. Ich erinnere mich, dass ich mich damals zum letzten Mal so aufgehoben gefühlt habe in der Schule – so, als könnte ich wirklich etwas erreichen und als gehörte ich genau dorthin, wo ich war.

Ich erinnere mich, wie große der Schock war, als ich aufs Gymnasium kam und wie plötzlich ganz andere Dinge wichtig waren statt Kreativität und Lebensfreude – cool sein, ein Handy haben, eine gewisse Fernsehsendung schauen, die richtigen Klamotten tragen, die richtige Rucksackmarke besitzen, auf die richtigen Partys eingeladen sein.

Ich erinnere mich, dass ich einmal in mein Tagebuch schrieb: „Ich habe das Leben verlernt.“

Ich erinnere mich, dass ich ab der fünften oder sechsten Klasse nicht mehr so frei und ausgiebig schreiben konnte wie in den Aufsätzen der Grundschulzeit.

Ich erinnere mich, dass ich irgendwann eine tiefe Dankbarkeit meiner Grundschullehrerin Frau Mirkol in der dritten und vierten Klasse verspürte, weil sie uns so viel Raum gelassen hat, kreativ zu sein.

Ich erinnere mich, dass ich bis geraden eben nicht gespürt habe, dass mein Arm wehtut.

Ich erinnere mich, dass ich in der sechsten Klasse erst einen anonymen Liebesbrief, dann einen anonymen Drohbrief erhalten habe.

Ich erinnere mich, dass ich aber fünften und sechsten Klasse ich mich mit Maria anfreundete, deren Mutter Heilpraktikerin war und dass wir uns gut austauschen konnten.

Ich erinnere mich, dass ich eines Mittags zu ihr nach Hause kam – ich habe mich immer sehr wohl gefühlt bei ihr zu Hause, die Wohnung war voller bunter Bilder und interessanter Gegenstände – und ihr Vater kleine Pizzabrote gemacht hatte, und ich eines davon probierte und noch nie in meinem Leben so etwas Scharfes gegessen hatte – die Tränen schossen mir aus den Augen und ich wusste gar nicht, was mit meiner Mundhöhle geschah.

Ich erinnere mich, wie wir auf dem Probenwochenende des Posaunenchors mit den Sitzkissen in den Aufenthaltsräumen Labyrinthe bauten und die Jungs kamen und sie kaputtmachten.

Ich erinnere mich, wie ich auf diesen Freizeiten immer Tischtennis spielen wollte und wie ich immer besser wurde.

Ich erinnere mich, dass ich, als ich beim Vereinstraining des lokalen Tischtennisvereins kam, so viel Scham spürte und Desinteresse, dass ich einmal und dann nie wieder hinging.

Ich erinnere mich, dass ich oft ein sehr in sich gekehrtes Mädchen war.

Ich erinnere mich, dass ich manchmal, als ich schon mein Zimmer im Keller bezogen hatte, im Frühling noch abends durchs Fenster hinausstieg und mich unter die blühenden Obstbäume setzte, ihren Duft einsog und den Mond beobachtete.

Ich erinnere mich, wie ich immer nie die Hausaufgaben machte, und gegen Abend das schlechte Gewissen immer größer wurde, und ich versuchte, noch im Bett etwas zu schreiben und dabei einschlief.

 


Dieser Post ist Teil einer Reihe von Artikeln zu den Prompts, die die argentinische Reise-Bloggerin Aniko Villalba hier veröffentlicht.

#10: Endlich! Die Creme gegen Muskelverspannungen + mehr!

Die Aufgabe für heute ist es, ein Produkt zu bewerben, von dem wir uns wünschen, es existierte – da eine Spülmaschine und ein automatischer Staubsauger bereits existieren und ich mir lediglich wünsche, sie würden dies in meiner Wohnung tun, beschreibe ich hier ein Mittelchen, von dem ich mir erhoffe, dass ich meine hartnäckig verspannte rechte Schultern ein bisschen entspannen könnte…

Prompts unter: https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/


Bald in Tubenform?

Bald in Tubenform?

 

Sie ist ganz neu auf dem Markt und sie lindert alles Ihre Schmerzen: Die neue „All-Sane“-Körpercreme! Die neue „All-Sane“-Körpercreme trägt sich sanft und geschmeidig auf uns lässt innerhalb von zehn Minuten alle Ihre Muskelverspannungen verschwinden. Durch ihre musculo-aktiven Wirkstoffe lockert sie sanft alle angespannten Muskeln und dehnt sie zugleich. Sie ist zu hundertprozent vegan und es gibt sie in drei verschiedenen Duft-Richtungen – Lavendel, Minze und Rosenblätter. Kein stundenlanges Verharren in Yoga-Positionen mehr, kein Warten, bis das Wärmekissen in der Mikrowelle aufgewärmt ist, keine Gänge zum Physiotherapeuten, die Sie wertvolle Zeit kosten, die Sie doch viel lieber mit den schönen Dingen  des Lebens verbringen würden – alle das bietet in die „All-Sane“-Creme.

Die „All-Sane“-Creme kommt in der Einzelpackung und kostet Sie nur 15,00 Euro die Tube. Schon bereits eine dünne Schicht, die Sie sanft mit den Finger in die betroffenen Körperstellen einreiben, genügt, um Sie von Schmerzen und Blockaden zu befreien.

„Alle-Sane“-Creme wirkt nicht nur oberflächlich, sondern dringt – ähnlich wie Yoga-Übungen – bis in die Tiefe Ihrer Köperfasern hindurch und lockert dort alles, was angespannt ist.

Und das Beste an unserer „All-Sane“-Körpercreme ist: Sie können Sie selbst verbessern und an Ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Stellen Sie sie dazu einfach für eine angezeigt Zeit in den Kühlschrank – je tiefer Ihr Schmerz sitzt, desto länger lassen Sie die Creme im Kühlschrank stehen. Die Substanz verdichtet sich in der Kälte und ermöglicht so eine konzentriertere Anwendung.

Und wenn Ihnen unsere „All-Sane“-Körpercreme gegen Muskelverspannungen gefallen hat, dann zögern Sie nicht, weitere Produkte aus unserem Sortiment auszuprobieren: Wir haben im Angebot: Cremes gegen Kopfschmerzen, gegen Muskelkater, gegen Müdigkeit, gegen Kälte, gegen Konditionsschwäche und sogar – und das ist unser absolute Geheimtipp – Cremes gegen sexuelle Lustlosigkeit.

Alle unsere Cremes sind auf biologischer Basis und vegan hergestellt. Bitte beachten Sie, dass es aufgrund der hohen Nachfrage ab und zu zu Lieferengpässen kommen kann.

#9 – Beschreibe den Tag, an dem du zum ersten Mal eine Person gesehen hast, in die du dich verliebt hast.

Mal wieder eine Geschichte aus dem Nähkästchen. Ich habe die Namen der auftretenden Personen verfälscht, aber sich selbst werden sie sich wahrscheinlich gut erkenne.

Es tut unglaublich gut, solche alten Geschichten aufzuschreiben. Gerade wenn eine Liebesgeschichte nicht schön zu Ende ging, und du selbst immer noch ein wenig trauerst, dann gibt dir das darüber Schreiben ein Stückchen Wirkungskraft zurück – du entscheidest, welcher Teil der Geschichte aufgeschrieben wird, und wer nicht.

Habt alle einen schönen Tag.

Prompt von: https://www.escribir.me/dia-9-escribi-acerca-de-la-primera-vez-que-viste-a-una-persona-de-la-que-te-enamoraste/


Es war Frühjahr und das Frühjahr war voller Energie. Es war die Zeit in der ich zwischen den Übungen des Buches „Der Weg des Künstlers“ und „Ein Kurs in Wundern“ mich befand – wahrscheinlich hatte ich gerade den „Kurs“ angefangen und war noch mental angeheitert von der Freiheit, die ich durch den „Weg des Künstlers“ freigesetzt hatte. Ich traf mich viel mit Dana im Park, ging mit Ariel spazieren und genoss jede freie Minute draußen.

Ariel erzählte mir an einem Tag, dass er abends eine Latino-Party im „Pai Nosso“ besuchen würde und fragte mich, ob ich mitkommen wollte. Ich stimmte zu.

Ich weiß nicht mehr, welche Kleidung ich an dem Abend abzog. Wahrscheinlich einen kurzen Jeansrock und irgendein T-Shirt. Ich traf mich mit Ariel und seinen Klassenkameraden von der Sprachschule inklusive Deutschlehrerin im Lokal. Die Musik machte gute Laune und es war sehr heiß. Ich tanzte ein bisschen mit Ariel und auch alleine. Als wir beim Hinausgehen noch auf einen Bekannten von Ariel trafen, verabschiedete ich mich für einen Moment auf die Toilette.

Als ich wiederkam, stand Ariel immer noch mit diesem Bekannten zusammen. Es war Fernando. Er trug ein blau-rot-kariertes Hemd und eine Bierflasche in der Hand, besonders auffällig war die Kette mit einem silbernen, kreisförmigen Anhänger, die aus dem Hemdkragen lugte. Ich sollte sie später noch oft sehen, oft auch auf seiner nackten Haut. Innerhalb des Kreise war eine Replik des mexikanischen Kriegsgottes eingelassen, weshalb – und wegen seines aufstobenden Temperatments – ich ihm irgendwann den Spitznamen „Guerrero“ – „Krieger“ geben würde.

Ariel stellte uns vor und wir begrüßten uns, in dem ich ihn kurz freundschaftlich umarmte, und er seine Bierflasche zum Gruß hob.

Er sagte, er sei Mexikaner.

Ich schaute ihn groß an. Meine Erinnerungen an das innere und äußere Chaos, das ich ein Jahr zuvor in Mexiko erlebt hatte, wurden plötzlich wieder was. Ich reagierte spaßhaft verzweifelt auf diese Neuigkeit. „Oh Gott, ein Mexikaner!“, rief ich theatralisch. „Yo soy alemana y la alemana se enoja.“

Ich sagte das, weil ich in Mexiko oft verzweifelt und ruhelos gewesen war, und viele der Menschen, die mich damals umgaben, diesen Zustand als „enojada“ – „beleidigt“ wahrgenommen wurde.

Fernando lachte darauf los. Er sei gerade dabei, sich von so einer scheiden zu lassen, ließ er mich wissen. Wir umgarnten uns in diesem Theaterspiel, der eher ernste Ariel stand irgendwann nur noch stumm daneben. Am Ende dieser überschwänglichen Begegnung stand eine Verabredung in Halle am folgenden Tag, um gemeinsam einen gesellschaftspolitischen Film anzusehen. Fernando würde da für das Radio hingehen,  und ich selbst hatte große Lust, mit Menschen in Kontakt zu sein, die Radio machten.

Kino_Halle_Zazie

#8 Suche ein Foto und beschreibe, was außerhalb des Bildes geschieht.

Liebe Freunde, es ist schon über eine Woche, dass ich diese Challenge angefangen habe – und es macht wirklich Spaß! Ich hoffe, ich habe vielen auch Lust gemacht bisher, zu schreiben. Es hat mir jedenfalls viel Freude gemacht, die kleinen Diskussionen auf Facebook mitzuverfolgen.

Hier nun also der Text zu Tag 8. Prompts gibts wie immer unter https://www.escribir.me/tag/30-dias-de-escribirme/.


170522IslasCanarias

Quelle: https://www.google.de/search?q=islas+canarias&source=lnms&tbm=isch&sa=X&sqi=2&ved=0ahUKEwiOzOGal4TUAhWDFiwKHbzGCDIQ_AUIBygC&biw=1366&bih=614#q=islas+canarias&tbm=isch&tbs=sur:fc&imgrc=CxD309Ev1lD6vM:

Und da steht er, am Rand des Hochplateaus und reckt den linken Arm in die Luft – ich drücke auf den Auslöser. Es geht 1000 m abwärtes neben ihm und soweit die Kameralinse reicht, nur kahles Gebirge. Wir sind auf den Kanarischen Inseln und verbringen unseren ersten gemeinsamen Urlaub. Wir haben uns im Internet kennengelernt. Nachdem wir während eines halben Jahres schon zärtliche Nachrichten ausgetauscht hatten, fasste ich mir ein Herz und fragte, ob er mit mir in den Urlaub fliegen wollte – ich würde für alle Kosten aufkommen, so versicherte ich ihm. Er zögerte, zunächst für einige Woche, was mich in tiefe Unsicherheit stürzte. Er war so ein lieber, ruhiger Junge und ich hatte schon ein wenig damit gerechnet, dass er nicht sofort auf meinen Vorschlag anspringen würde. Andererseits schrieb er mir gerade zu der Zeit so viele Nachrichten, in denen er sich mir so offen und verwundbar zeigte – seinem Land, so laß ich es in der nationalen und internationalen Presse, ging es damals sehr schlecht. Ich wurde allerdings irgendwann etwas ungeduldig – die Preise der Flüge stiegen und wir mussten ja auch irgendwann das Visum für ihn beantragen. Für mich als Europäer stand diese Frage nicht zur Debatte.

Schließlich sagte er ja.

Ich erinnere mich an die Erleichterung, die ich gespürt hatte, als ich seine E-Mail mit der Zusage laß. Schnell buchte ich den Urlaub und antwortete ihm mit klopfendem Herzen, wie froh es micht machte, das zu hören.

N kommt zurück

von dem Felsvorsprung, auf dem ich ihn fotografiert habe, und fragt: Ist es gut geworden? Ich nicke und zeige ihm das Foto. Ich schicke es ihm auf sein Handy. Er ist beeindruckt.

Das ist ja echt gut geworden, sagt er.

Ich sehe später auf seinem Instagram-Profil, dass er es noch in diesem Moment hochlud.

N, sage ich zu ihm, als wir an dem Abend wieder gemeinsam im Hotelzimmer liegen. Wir genießen die Zeit zusammen so sehr und wir haben sofort gemerkt, wie sehr wir uns mögen – Warum hast du so lange gezögert, mit mir in den Urlaub zu fahren?

Ns Körper spannt sich an, die Bettdecke raschelt. Er fragt mich, ob ich mich daran erinnere, dass er mir einmal erzählt hatte, dass er vor drei Jahren schon in Deutschland gewesen war. Ich nicke. Ja, sage ich.

Ich wurde damals auch eingeladen, fährt er fort. Er war Deutscher und es schien zu Beginn auch alles total harmonisch, wie bei uns. Aber ziemlich schnell nachdem ich bei ihm zu Hause war, stelle sich die ganze Aktion als Katastrophe heraus. Er schimpfte mit mir, schrie mich an, ich sollte mein eigenes Geld verdienen – und das, obwohl er zunächst behauptet hatte, ich müsse mir keine Sorgen machen. Ich wollte einfach nur Deutschland kennen lernen – Deutschland ist wirklich so cool! Und ich dachte echt, der Typ meint es ernst.

Jetzt zittert seine Stimme. Ich widersetze mich dem Drang, ihn in den Arm nehmen zu wollen.

Am Ende landete ich auf der Straße, nachdem er mir Gewalt angedroht hatte.

Wir schweigen eine Weile. Ich habe so eine Story oder ähnliche schon öfters gehört, in unseren Kreisen kamen sie leider öfter vor, als einem lieb sein mochte.

Was ist dann passiert?, frage ich.

In der Stadt, wo ich damals war, gibt es einen Verein von und für Migranten. Sie haben mich unterstützt, eine Bleibe gesucht, etc. Die Zeit, die dann kam, war unglaublich anstrengend, aber auch ziemlich lehrreich für mich.

Ich spüre, wie N sich langsam wieder entspannt.

Aber genug der Vergangenheit, ordnet er jetzt an.

Ich erzähle dir morgen mehr davon, aber jetzt…

Er kam mir näher und ich roch ihn, verschwommen zwischen Meeresluft, Aftershave und dem frischen Laken.

Hemmingway hat es uns schon vorgemacht: 6-Wörter-Geschichten [30-Tage-Challenge, Tag 7]

Unterwegs war das Gehen sehr einfach.

Seine Magie reichte nicht für mich.

Er zauberte aber war kein Magier.

Der Berg war besonders von oben schön.

Wenn du streitest, verlierst du Zeit.

Wenn du streitest, bist du nicht glücklich.

Wer streitet löscht Zeit fürs Glück.Bänkchen auf dem Frauenberg in Fulda

Die Nachbarin schlief noch, Akku leer.

Schuhe schmutzig, Flasche leer, nur geheult.

Ein bisschen glücklich, viel Sonne, Bienenstich.

Auf dem Weg verlaufen, niemanden getroffen.

Ein bisschen geschummelt und tatsächlich gewonnen.

Du hörst Musik, nie mehr gelebt.

100 Dateien hochgeladen, der Elllenbogen schmerzt.

Psychische Probleme im Studium, Großeltern: Bauern.

Freunde fragen um Rat für die Zukunft.

Im Zug, durch die Stadt, angekommen.

Leute laufen, singen, Polizei schirmt ab.

Viel geschimpft, unzufrieden gewesen, angerufen, gut.

Hoch und runter, schau zu, schreib.

Kellnerin hat Stress, Hunger, kostenlose Getränke.

Das Glas zerbricht, Salatschüssel, abends froh.

Du quatschst viel über alles, Scham.

[Quelle der Challenge: https://www.escribir.me/dia-7-escribi-una-historia-en-seis-palabras/]

30-Tage-Challenge (6): Beschreibe einen regelmäßig wiederkehrenden Albtraum

Tag 6: Beschreibe einen Albtraum, den du immer wieder hast.

Ich habe keinen speziellen Albtraum, der immer wiederkehrt. Aber ich erinnerte mich an Msuter, die sich gleich anfühlen, und an die ich seit meiner Kindheit kenne.


 

In diesen Träumen möchte ich schnell vorwärts kommen, weil ich einen wichtigen Termin habe oder weil ich einen Bus/Zug/Flugzeug erreichen möchte. Aus bestimmten Gründen kann ich mich in diesen Träumen nicht von der der Stelle bewegen – ich beeile mich, so sehr ich kann, aber irgendetwas lähmt mich. Ich fühle mich in diesen Träumen stets sehr Angst erfüllt, fürchte mich wahnsinnig davor, die Menschen, mit denen ich verabredet bin, zu enttäuschen, eine wichtige Gelegenheit zu verpassen, oder eben einen Flieger nicht zu bekommen und das Ticket umsonst bezahlt zu haben.

Diese Angst vor Bloßstellung kenne ich auch aus anderen Träumen. Dann fallen mir zum Beispiel die Zähne aus, ich stelle fest, dass ich nackt bin, ohne dass ich es zuvor gemerkt hätte, oder dass ich nicht mehr richtig sehen kann. Dieses Gefühl, dass ich nicht mehr richtig sehen kann, also quasi erblinde, ist sehr real und ich erinnere mich noch in wachem Zustand sehr heftig daran.

Die Angst, zu erblinden hat vielleicht etwas mit der Angst zu tun, nicht zu genügen oder die Welt nicht mehr ohne fremde Hilfe verstehen zu können.

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30-Tage-Challenge (5): Beschreibe den letzten Traum, an den du dich erinnerst.

Dieser Post bezieht sich auf eine Reihe von Incentives, die die argentinische Bloggerin Aniko Villalba auf ihrem Blog escribir.me veröffentlich hat. Im Ganzen ergibt sich hieraus eine “30-Tage-Challenge”, bei der es darum geht, an 30 nacheinanderfolgenden Tagen jeden Tag mindestens 15 Minuten zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Heute folgt der Text von Tag 5: Beschreibe den letzten Traum, an den du dich erinnerst. Ich freue mich über eure Kommentare! (Der dazugehörige Post von Aniko ist hier zu finden: https://www.escribir.me/dia-5-escribi-el-ultimo-sueno-que-recuerdes/)


 

Ich bin auf dem Weg ins Flugzeug, ich fahre im Bus und plötzlich hält der Bus an und fährt für eine gefühlte Ewigkeit nicht weiter. Wütend steige ich aus und laufe über den Flugplatz. Da erst fällt mir auf, dass ich noch meinen schweren Rucksack dabei habe, und dass in dem Rucksack noch 3 Liter Wasser sind. Ich breche in Panik aus, weil ich ja weder den Rucksack noch das Wasser mit in den Flieger nehmen darf. Ich renne zurück in die Schalterhalle und treffe dort beim McCafé meine Freundinnen aus der Abi-Zeit, die dort gemeinsam sitzen und Kaffee trinken. Ich setze mich dazu und höre Kirsten Kollwitz dabei zu, wie sie von ihrem Biologie-Studium erzählt, und wie langweilig es ist und wie viel lieber sie Spanisch und Portugiesisch studiert hätte. Neben ihr sitzt Viktoria Christ und als Katharina fertig ist, erzählt sie von ihrem Auslandsaufenthalt in den USA und wie sie ihren Verlobten kennen gelernt hat. Plötzlich fällt mir wieder ein, dass ich ja den Flieger kriegen muss. Ich springe schnell auf, aber da erinnert mich Felix Dammert daran, dass der Flieger schon längst weg ist und dass ich jetzt zu Fuß dorthin gelangen muss, wo ich hin will. Er bietet mir an, mich zu begleiten. In der nächsten Sekunde befinden wir uns in einer brasilianischen Bar am Rande Goianias und ich und Florian tanzen zusammen. Es läuft Sertanejo-Musik und plötzlich sind meine Freunde aus der Uni in Leipzig da, und prosten mit mir einer Caipirinha zu. Ich gehe raus aus der Bar und setze mich in die Sonne. Da sitzt plötzlich eine Freundin aus Mexiko neben mir und fragt mich, warum ich in der Sonne sitze, ich solle doch in den Schatten kommen. Ich lache und erkläre ihr, dass ich im deutschen Winter so lange auf die Sonne gewartet habe, dass ich gerade wirklich das Bedürfnis habe, meine Haut ins Licht zu strecken. Sie reicht mir ein paar Fleischspießchen und erzählt mir davon, wie in der Schule, in der sie unterrichtet hat, alle Computer gestohlen wurden, und wie die Jugendlichen jetzt alle ein eigenes Tablet haben, um im Internet zu surfen. Sie sagt, das sein gut, denn so erführen die Schüler mehr darüber, wie es in den Städten zuginge und würden so ehrgeiziger werden. Sie erzählt mir auch, dass ihr zweites Kind gut zur Welt gekommen ist und fragt, was ich die letzten Jahre so gemacht habe.

Ich stehe auf und finde mich plötzlich bei meinen Eltern im Wohnzimmer wieder, die gerade Kaffee trinken und Kuchen essen. Es ist Sonntagnachmittag und sie schauen fern. Es steht ein Käfig mit Wellensittichen hinter dem Sofa, so, wie es früher war. Ich frage meine Mutter überrascht, warum sie plötzlich wieder Wellensittiche haben, und sie meint, dass die Nachbarn die beiden Piepmätze übrig gehabt hätte, und dass sie doch nicht hätten nein sagen können. Als ich den Käfig öffne, fliegen die beiden Vögelchen, einer gelb-grün, der andere blau-weiß, und knattern mit dem typischen Flug-Geräusch durchs Wohnzimmer, das mich früher schon immer so sehr an Minipropeller erinnert hatte. Katharina Schmidt, meine Freundin aus der Grundschulzeit, steht plötzlich vor der Haustür, und fragt, ob ich mit ihr nach Heilbronn möchte, Mangas kaufen. Ich verabschiede mich von meinen Eltern und steige in den Bus.