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“Als wir träumten” – Bei mir zu Hause (~Augmented Reality the Other Way Around~)

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Clemens Meyer veröffentlichte 2006 den Roman “Als wir träumten” (ja, er hat natürlich Recht, der Titel ist der Hammer!). Es geht um eine Gruppe junger Männer, die ihre Pubertät zu Wendezeiten in Leipzig erleben. Anfang 2015, als ich selbst schon in eineinhalb Jahre in der “Heldenstadt” wohnte, kam der gleichnamige Film in die Kinos. Gestern habe ich nun Meyers Roman zu Ende gelesen. Es war ein kleiner Kraftakt, aber er hat sich wirklich gelohnt.

Zu sagen, ich wäre hingerissen, ist das falsche Wort. Das Buch ist sehr tief reingegangen, es fühlt sich an, als würde man mit jeder Seite, die man liest, tiefer reingezogen in die Geschichte, als würde man fester an die Charaktere gebunden. Sie fühlen sich in meinen Gedanken inzwischen beinahe lebendig an, als würde ich sie persönlich kennen. Vielleicht kenne ich auch ein paar Leute vom Sehen in Leipzig, im Grenzgebiet zwischen Reudnitz und Anger-Crottendorf, wo ich wohne, denen ein ähnliches Schicksal wiederfahren ist wie Danie Lenz und seinen Kumpels in “Als wir träumten”. 160812TaettowiereTorgua_LVZ

Neben Meyers feiner Art, zu erzählen, war das Buch vor allem deshalb eine aufregendes Leseerlebnis für mich, weil ich, ohne es vorher geahnt zu haben,  immer wieder mit Schauplätzen konfrontiert wurde, die ich selbst aus meinem Alltag hier kenne – die alten Fabrikgebäude um den Lena-Vogt-Park herum, das Gebäude der Lotto-GmbH nahe des Ostfriedhofes, der S-Bahn Stötteritz, der Aldi hier um die Ecke, Rudi’s Schreibwarenladen… Augmented Reality, the other way around, könnte man sagen! Also – das Buch greift auf meine tatsächliche Lebensrealität zurück, ohne dass ich das vor dem Lesen hätte ahnen können. Wirklich ein spannendes Erlebnis! [Bilder der Original-Schauplätze, die heute noch identifizierbar sind, folgen]

Danie und seine Kumpels werden im Laufe des Romans auch öfters in den Knast gesteckt, wo sie sich dann tättowieren lassen. Treffenderweise veröffentlichte die LVZ letzte Woche in Interview mit einem Tättowierer aus Torgau – der haargenau DIE Geschichte erzählt, die wir im Roman von Danie und Rico erfahren. Ein Foto des Artikels findet ihr unten.

Also, “Als wir träumten”: Das war für mich in ganz vieler Hinsicht ein tolles Leseerlebnis. Jetzt wartet noch der Film!